Der Thurgau ist zu trocken

Sarah Lippuner, 28. Juni 2018, 19:26 Uhr
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Die trockenen Tage sind gut für Public Viewings und Openair-Gänger, aber schlecht für die Umwelt. Im Kanton Thurgau hat es viel zu wenig geregnet, darum hat das Amt für Bevölkerungsschutz und Armee beschlossen, den Fachstab Trockenheit einzusetzen.

«Wir bräuchten zwei Wochen lang einen gleichmässigen Landregen, das heisst keine Gewitter, wie wir sie in den letzten Wochen und Monaten hatten», sagt Robert Holzschuh, Hydrologe beim Amt für Umwelt auf Anfrage von FM1 Today. Laut MeteoNews ist jedoch kein Regen in Sicht, stattdessen ist ein stabiles Hoch im Anmarsch. Der Kanton Thurgau hat seit Jahresanfang ein Niederschlagsdefizit. Es hat im Vergleich zu wenig Wasser in den Böden, im Grundwasser und in den Gewässern.

Fische werden abgefischt

Die Trockenheit ist für die Fische lebensgefährlich, da viele Bäche kurz vor dem Austrocknen sind. Die Fachstelle für Fischerei fischt die Niedriggewässer ab und siedelt die Fische in Bereiche mit genügend und kühlerem Wasser um. Der Pegel des Bodensees liegt rund 30 cm unter dem langjährigen Mittel. «Dies ist nicht dramatisch», meint Holzschuh, «aber wenn keine Niederschläge kommen und der Pegel weiter sinkt, kommen wir den Extremwerten immer näher.» Die Werte nähern sich jetzt schon denen vom Hitzesommer 2003.

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Niederschläge im Jahr 2018 (blaue Kurve) an der Messstelle in Güttingen. Sie liegt nur knapp über der roten Kurve, die die Messswerte des Hitzesommers 2003 anzeigt. Die grüne Kurve zeigt die Normwerte der Jahre 1981-2010.
Die Grafik zeigt die Entwicklung der Niederschläge im Jahr 2018 (blaue Kurve) an der Messstelle in Güttingen. Sie liegt nur knapp über der roten Kurve, die die Messswerte des Hitzesommers 2003 anzeigt. Die grüne Kurve zeigt die Normwerte der Jahre 1981-2010.

Bevölkerung soll sich informieren

Ein Feuerungsverbot im Wald wurde von der Forstwirtschaft bisher nicht ausgesprochen, die Waldbrandgefahr ist aktuell für den ganzen Kanton als mässig eingestuft (zweite Stufe von fünf). Robert Holzschuh betont aber, es sei wichtig, dass sich die Bevölkerung informiert. «Auf der Website des Kantons sind stets die aktuellen Daten und Warnungen aufgeschaltet.»

Der nächste Schritt wäre ein Entnahmeverbot für Landwirte. Diese dürfen dann aus bestimmten Fliessgewässern kein Wasser für landwirtschaftliche Zwecke entnehmen. Ausgenommen von diesem Verbot sind der Bodensee, der Rhein und im Normalfall auch die Thur.

Weniger dramatisch in St.Gallen

Auch der Kanton St.Gallen meldet ein Niederschlagsdefizit, dieses ist allerdings noch nicht dramatisch, sagt Andreas Herold, vom Amt für Wasser und Energie. «Es mussten auch einige Bäche abgefischt werden, das war schon früh für diese Jahreszeit. Aber wir haben im Kanton St.Gallen vor allem wegen den Bergen und dem Schmelzwasser komfortablere Bedingungen als der Kanton Thurgau.» Auch der Kanton Appenzell Ausserrhoden meldet einen eher tieferen Wasserstand, die Situation ist aber nicht alarmierend.

(red.)

 

 

Sarah Lippuner
veröffentlicht: 28. Juni 2018 14:52
aktualisiert: 28. Juni 2018 19:26