Rapperswil-Jona

Der Zürisee wird zum Weinkeller

12. November 2019, 15:59 Uhr
Ein Weinkeller ist hier überflüssig: 900 Liter Wein des Schwyzer Weinguts Irsslinger schwimmen seit kurzem in einer Spezialboje im Zürisee. Die ständige Bewegung soll den Tropfen verfeinern.

Sie sieht ein bisschen aus, wie das obere Ende eines Silos: Die graue Boje mit dem Namen Wellentänzer treibt seit Freitag im Hafen von Rapperswil-Jona friedlich vor sich hin. Durch den Wellengang immer ein bisschen in Bewegung, soll der Wein einen ganz besonderen Geschmack entfalten. 

Die Idee dazu hatte der österreichische Winzer Fabian Sloboda. Deren Ursprung liegt in der Geschichte, als Wein vor allem über den Seeweg transportiert und damit ebenfalls stetig bewegt wurde.

In einem Test-Projekt versenkte Sloboda in einer eigens dafür konstruierten Boje einen Grauburgunder für 144 Tage im Neusiedlersee im österreichischen Podersdorf. Das burgenländische Amt für Weinbau begleitete den Prozess wissenschaftlich. Das Resultat: Der 2017-er Grauburgunder soll einen einzigartigen Charakter entwickelt haben.

Auch ein Schweizer Projekt

Nun soll der Wein auch in der Schweiz Wellen schlagen. Produziert wurde er vom Weingut Isslinger im Kanton Schwyz, das von Sloboda zur Teilnahme am Projekt eingeladen wurde. «Die Lagerung des Weins im See ist die konsequente Weiterentwicklung der Terroir-Philosophie», sagt Sloboda.

 

Der österreichische Winzer Fabian Sloboda gilt als Erfinder des bojengelagerten Weins.

© PD/Sloboda.at

«Terroir» wird die Prägung des Weins durch die regionalen Eigenheiten und das Klima genannt. «Der See ist für die Böden und das Mikroklima in der Region absolut prägend», sagt Sloboda. Ihm den Wein eine Weile zu übergeben, mache also Sinn. 

In Österreich wird in den Bojen die Sorte Grauburgunder, in der Schweiz Johanniter gelagert. 

Wellen machen nicht jeden Wein besser 

Die geschichtlich angehauchte Lagerung im Wasser sei für die Massenproduktion nicht geeignet. «Das soll schon die Ausnahme und etwas spezielles bleiben», sagt Sloboda. Das ständige Schaukeln mache auch nicht jeden Wein besser.

Nur kräftige Sorten könnten davon profitieren. Die ständige Bewegung kann bei diesen Weinen noch das letzte bisschen Geschmack aus der Hefe herausholen. Interessant sei auch der Vergleich mit einem Zwillingswein. Also einem aus der selben Lese, jedoch im Keller gereift.

Dieser schmecke nach der bisherigen Erfahrung jeweils völlig anders, als der bojengereifte Spezialwein. Wobei das für den Zürisee zuerst noch bestätigt werden muss. Denn, was wirklich dabei herauskommt, zeigt sich erst nach der Auswasserung im nächsten März.

(thc)

 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 12. November 2019 15:59
aktualisiert: 12. November 2019 15:59