«Der Zug ist abgefahren»

Christoph Thurnherr, 13. August 2019, 18:10 Uhr
Roger Federers neues riesiges Anwesen am Zürichsee ruft Seeufer-Schützer auf den Plan, doch der Stadtpräsident von Rapperswil-Jona winkt ab.

Direkt am Ufer des Zürichsees: Das neue Zuhause des Schweizer Tennisstars Roger Federer könnte kaum eine schönere Lage haben. Dass das Ufer aber nur privat zugänglich sein soll, stört den Verein Rives Publiques. Dieser hat sich mit einem Schreiben an die Stadt Rapperswil-Jona und an die kantonalen Behörden gewandt. Die Forderung: Freier, ununterbrochener Uferzugang für alle.

Positive Stimmen für Federer

Die Forderung schlägt Wellen. In der Facebook-Gruppe der Gemeinde Rapperswil-Jona stellen sich jedoch die meisten Einwohner hinter Roger Federer. «Es gibt genug Möglichkeiten, an den See zu gehen. Warum soll jemand einen Durchgang freigeben, der so viel für ein Grundstück bezahlt? », schreibt eine Nutzerin. Ein anderer sieht es ähnlich: «Die ganzen Jahre oder Jahrzehnte hat der Seezugang auf diesem Grundstück niemanden interessiert. Aber jetzt, wo ein Prominenter sich dort niederlassen will, soll das plötzlich eine Rolle spielen?»

Das Anwesen von Roger Federer am Zürichsee.
© Keystone

Die Baubewilligung ist erteilt

Es gibt auch andere Stimmen in der Facebook-Gruppe: «Richtig so, auch ein Promi muss sich der Gesellschaft anpassen und nicht umgekehrt». Martin Stöckling, Stadtpräsident von Rapperswil-Jona, bestätigt die Forderung von Rives Publiques und anerkennt das Bedürfnis der Bevölkerung nach freiem Seezugang.

Diesem Bedürfnis werde aber zur Genüge Rechnung getragen: «Von den 14 Uferkilometern sind zwei Drittel für die Öffentlichkeit zugänglich. Wir konzentrieren uns als Stadt darauf, diese Zonen aufzuwerten und für die Bevölkerung möglichst angenehm zu gestalten.» Roger Federer werde den alleinigen Zugang zu «seinem» Ufer haben. «Der Zug ist abgefahren, die Baubewilligung ist erteilt», sagt Stöckling. Gemessen an den Einträgen auf der Facebook-Seite scheinen die meisten Rapperswiler ihrem neuen berühmtesten Einwohner seine Privatsphäre jedoch auch zu gönnen.

 

 

Christoph Thurnherr
veröffentlicht: 13. August 2019 18:10
aktualisiert: 13. August 2019 18:10