Deutlich mehr saubere Spritzen abgegeben

Fabienne Engbers, 3. Mai 2017, 07:27 Uhr
Der Kaktus in Wil hatte letztes Jahr mehr zu tun als in den Vorjahren. (Symbolbild)
Der Kaktus in Wil hatte letztes Jahr mehr zu tun als in den Vorjahren. (Symbolbild)
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Seit rund 30 Jahren wurden im Kaktus in Wil nicht mehr so viele saubere Spritzen an Drogenabhängige abgegeben wie dieses Jahr. Grund dafür ist auch, dass sich vermehrt junge Menschen bei der Anlaufstelle melden.

Fast 40 Prozent mehr Injektionsmaterial gab die Anlaufstelle der Wiler Integrations- und Präventionsprojekte Wipp, der Kaktus, im Jahr 2016 als im Jahr 2015 aus. Seit den 1990er-Jahren, als die offene Drogenszene am Letten schloss, war die Besucherzahl nicht mehr so hoch. 151 Spritzen gingen täglich über den Tisch.

Kokainkonsum hat sich verbreitet

Die Suchtproblematik bleibt somit brandaktuell. 28 Drogenabhängige waren im Schnitt im Kaktus anwesend. Vermehrt melden sich auch junge Leute beim Wipp an, gab Leiter René Akeret an einer Pressekonferenz bekannt. Damit meint er Personen ab 25 Jahren.

Die starke Zunahme der Spritzenabgabe sei zum einen auf den gestiegenen Drogenkonsum pro Kopf zurückzuführen, zum anderen sei aber auch der Konsum von Kokain gestiegen, was dazu führe, dass mehrere Spritzen täglich von den Drogensüchtigen gebraucht werden, da die Wirkung nicht sehr lange anhalte, schreibt das Tagblatt.

HIV-Ansteckungen gibt es nur noch wenige

«Spritzentausch kommt praktisch keiner mehr vor», sagt René Akeret. Dies führe erfreulicherweise dazu, dass nur noch wenige Personen mit HIV angesteckt werden. Auch Hepatitis C wird durch die sauberen Spritzen nicht weiter verbreitet. Akeret möchte in der Prävention in diesem Jahr stärkere Anstrengungen unternehmen, schreibt das Tagblatt. Das Risiko der Hepatitis C Übertragung werde gerne unterschätzt, sagt Akeret.

Viele Beuscherinnen und Besucher des Kaktus' seien polytoxikoman veranlagt, was bedeutet, dass diese Personen abhängig von mehreren Substanzen sind. Im Zusammenhang mit dem Anstieg des Kokainkonsums sei dies für die Mitarbeitenden im Kaktus ein Problem. Kokain in Kombination mit Alkohol löse ein latentes Aggressionspotential aus. Trotzdem musste die Polizei im letzten Jahr weniger eingreifen als früher. Dies liegt auch an der Erfahrung der Mitarbeitenden im Kaktus, die deeskalierend wirken.

Wegen der grossen Nachfrage wurde das Wipp-Team per Anfang 2017 um eine 50%-Stelle aufgestockt.

Fabienne Engbers
Quelle: enf
veröffentlicht: 3. Mai 2017 07:27
aktualisiert: 3. Mai 2017 07:27