Die grössten No-Gos beim Job-Interview

Laurien Gschwend, 20. September 2017, 10:33 Uhr
Genügt es, während des Vorstellungsgesprächs einen Pulli zu tragen? (Symbolbild)
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Fragen über Fragen vor einem Vorstellungsgespräch: Was soll ich anziehen, welche Fragen gelten als No-Go und wie hinterlasse ich einen bleibenden Eindruck? Wir haben bei einem Personalexperten nachgefragt.
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BVS

Das erste Telefonat

Viele Bewerberinnen und Bewerber erkundigen sich in einem ersten Schritt telefonisch nach den Einzelheiten der offenen Stelle. Schon jetzt gilt es, einige Dinge zu beachten: «Man sollte auf keinen Fall Informationen erfragen, die klar aus dem Stelleninserat hervorgehen», sagt Roger Nellen, Inhaber des Personalberatungsunternehmens Nellen & Partner. Eine gründliche Vorbereitung sei von Anfang an wichtig, «die Fragetechnik soll klar und überlegt sein». Nach der Höhe des Lohns zu fragen, sei während des ersten Telefonats suboptimal.

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Übertreibungen sind gemäss Nellen ein weiteres No-Go. Gleich morgens nach dem Aufwachen oder nach dem Vita-Parcours anzurufen, sei keine gute Idee. «Die Stimme soll natürlich und klar wirken.»

Die Unterlagen

98 Prozent der Bewerbungsunterlagen werden elektronisch eingereicht. «Der Lebenslauf soll sauber und tabellarisch daherkommen und möglichst mit Zeugnissen ergänzt werden», meint Nellen. Es sei von Vorteil, die vollständigen Dokumente auch beim Vorstellungsgespräch dabei zu haben.

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Wer während des Vorstellungsgesprächs keine Notizen mache, habe Schwierigkeiten, am Ende eine Zusammenfassung zu machen oder auch gezielt Fragen zu stellen - was entscheidend sei, um einen Job zu bekommen.

Das äussere Erscheinungsbild

Hat man die erste Hürde überstanden, wird man im besten Fall zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. In welchem Outfit soll man zum ersten Kennenlernen aufkreuzen? «Ich empfehle ein authentisches Auftreten. Ein Ingenieur muss nicht unbedingt seinen Hochzeitsanzug anziehen», sagt Roger Nellen. Es sei ratsam, sich vor dem Gespräch zu informieren, wie sich die anderen Mitarbeitenden eines Unternehmens kleiden. «In einer Bank ist eine Krawatte Usus, anderorts ist eine solche nicht unbedingt nötig.» In der IT-Branche sei es beispielsweise in Ordnung, Jeans und Pullover zu tragen. «Die Bewerberinnen und Bewerber sollen sich selber sein.»

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Ein gepflegtes Äusseres sei in jedem Vorstellungsgespräch Pflicht. «Ungepflegte oder zerknitterte Kleidung anzuziehen, empfiehlt sich nicht.» Dezentes Make-up sei willkommen, «zu viel ist allerdings ungünstig».

Die Körperhaltung

«Eine aufrechte Haltung signalisiert Konzentration und Interesse», weiss Roger Nellen. Fast schon im Stuhl zu liegen oder die Beine zu überschlagen, vermittle ein «ganz schlechtes Bild».

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Das Verhalten

Roger Nellen rät, angepasst an die schweizerische Tugend fünf Minuten vor dem angesetzten Termin zu erscheinen. «Bei den sommerlichen Temperaturen soll niemand zum Gespräch rennen, durchnässt ist es eher schwierig, angestellt zu werden.» Aufgrund des mangelnden Zeitmanagements wirke die Kandidatin oder der Kandidat insgesamt nicht souverän.

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Bewerberinnen und Bewerber sollen aufstehen, um die Interviewpartner zu begrüssen, findet Nellen. «Auch wenn ihnen bereits ein Platz zugewiesen wurde.»

Notlügen sind laut dem Personalexperten heikel. «Zu einem späteren Zeitpunkt fliegen sie nämlich oft auf.» Habe die Frage einen Bezug zur künftigen Tätigkeit beziehungsweise zur Bewerberin oder zum Bewerber, empfehle es sich, diese ehrlich und transparent zu beantworten. Auszuschweifen und nicht auf die Fragen einzugehen, sei nicht zielführend. «In solchen Situationen stellt sich dem Unternehmen die Frage, ob die Person etwas zu verbergen oder die Frage nicht verstanden hat.»

Die Fragen

«Grundsätzlich sind alle Fragen erlaubt, die etwas mit dem Unternehmen, der Tätigkeit und dem Umfeld zu tun haben», sagt Nellen. Erst mit fundierten Fragen gehe ein Vorstellungsgespräch in die Tiefe, was Transparenz auf beiden Seiten schaffe.

Die Frage nach dem Salär sei zum Ende des Vorstellungsgesprächs durchaus legitim. «Es ergibt schliesslich keinen Sinn, dass weitere Gespräche stattfinden, wenn Unternehmen und Bewerberin beziehungsweise Bewerber bezüglich Lohn nicht zusammenkommen.»

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Die Zeit nach dem Gespräch

Zuverlässigkeit kann gemäss Nellen auch nach dem Vorstellungsgespräch signalisiert werden: «Meist wird man gebeten, sich bis zu einem gewissen Zeitpunkt zu melden, ob nach wie vor Interesse an der Stelle besteht. Diese Frist muss unbedingt eingehalten werden.»

Roger Nellen, Inhaber Nellen & Partner (Bild: zVg)

Nellen & Partner ist in St.Gallen und Zürich in den Bereichen Personalberatung, Kadervermittlung, Human Resource Management und Headhunting tätig und unterstützt Unternehmen bei der Suche nach Führungskräften, Verwaltungs- und Stiftungsräten sowie Fachspezialisten.

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Laurien Gschwend
veröffentlicht: 17. August 2017 07:00
aktualisiert: 20. September 2017 10:33