«Die Hängebrücke ist eine riesige Freude»

Fabienne Engbers, 27. April 2019, 18:18 Uhr
Seit hunderten von Jahren trennte eine Schlucht die Region und zwei Orte, die sogar gleich heissen. Nun sind das ausserrhodische und das sanktgallische Grub verbunden. Die Eröffnung der Hängebrücke zwischen den Gemeinden Grub AR und Eggersriet SG wird dieses Wochenende gefeiert.

Sogar verfeindet waren die beiden Teile von Grub im 16. Jahrhundert. Die Reformation trieb die Bevölkerung im ausserrhodischen Teil von Grub zum neuen Glauben, der sanktgallische Teil blieb katholisch und schloss sich der Gemeinde Eggersriet an. Mehr als 400 Jahre später finden die beiden Teile von Grub am Freitag auch geografisch wieder zusammen, dank der Eröffnung der neuen Hängebrücke sind die Ortsteile verbunden.

Das Brückenfest im TVO-Beitrag:

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Quelle: TVO

«Die Brücke kommt 30 Jahre zu spät»

Bevor die Brücke fertiggestellt wurde, mussten Schüler, Wanderer und Bewohner der Gemeinden Grub AR und Eggersriet SG durch die Schlucht wandern, welche die Kantone St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden trennt. Der Wanderweg führte durchs Tobel und über eine kleine Brücke über dem Mattenbach. Bei starkem Regen und wegen Erdrutschen war der Weg allerdings immer wieder unsicher oder gesperrt.

Jetzt ist alles anders. «Es ist eine riesige Freude, dass die Brücke jetzt endlich fertig ist», sagt der Gemeindepräsident von Eggersriet, Roger Hochreutener. Nach einigen Einsprachen ist die Brücke zwar etwas verzögert eingeweiht worden, die Freude ist den Beteiligten aber trotzdem aus dem Gesicht zu lesen. «Mit der Einweihung der Brücke können wir die alten Querelen auch symbolisch endlich aufheben, das ist eine tolle Sache», sagt Katharina Zwicker, die Gemeindepräsidentin von Grub.

Die Gemeindepräsidentin von Grub, Katharina Zwicker und Roger Hochreutener, Gemeindepräsident von Eggersriet, freuen sich über die Einweihung der Brücke (Bild:FM1Today/Fabienne Engbers)
Die Gemeindepräsidentin von Grub, Katharina Zwicker und Roger Hochreutener, Gemeindepräsident von Eggersriet, freuen sich über die Einweihung der Brücke (Bild:FM1Today/Fabienne Engbers)

Auch die Schüler aus Grub AR mussten früher durch die Schlucht laufen, wie Andrea Caroni weiss. Vor 30 Jahren führte der Schulweg des Ausserrhoder Ständerats durch die Schlucht. «Die Brücke ist wunderbar. Für mich kommt die Brücke aber 30 Jahre zu spät, weil ich als Schulkind immer aussen herum gehen musste», sagt er lachend. Die Schulgemeinden sind mittlerweile getrennt. «Aber wer weiss, vielleicht ist der Brückenschlag heute eine erste Annäherung der beiden Schulgemeinden», hofft Caroni.

«Man schaut mit Ehrfurcht hinab»

Auch der St.Galler Regierungsrat Marc Mächler testet die Brücke auf Herz und Nieren. «Es wackelt zünftig, wenn man die Hängebrücke überquert», sagt er. Angst hat er keine, «aber man hält sich noch am Geländer und schaut mit Ehrfurcht ins Tobel».

Marc Mächler wird die Brücke nicht zum letzten Mal passieren. «Ich werde gerne wieder über die Brücke gehen, vor allem mit meinen Kindern. Die werden staunen, wenn sie die Hängebrücke überqueren.» Das Wanderwegnetz des Kantons St.Gallen wird durch die Brücke bereichert, sagt der Regierungsrat. «Und es ist schön, dass wir mit der Brücke zwei Kantone verbinden können.»

180 Meter lang, 96 Zentimeter breit

Seit Oktober 2018 wurde an der Hängebrücke geschraubt. Die 180 Meter lange Brücke liegt in 40 Metern Höhe über der Schlucht, sie hängt rund 3,8 Meter durch. Von der Strasse aus sieht man sie kaum. Für Autos ist sie aber auch nicht gemacht, die Brücke ist nur 96 Zentimeter breit und führt Fussgänger von der einen Seite zur anderen.

Ein Augenschein auf der Baustelle: Die Hängebrücke zwischen Grub und Egersriet, am 30. Januar. (Bild: TAGBLATT/Benjamin Manser)
Ein Augenschein auf der Baustelle: Die Hängebrücke zwischen Grub und Egersriet, am 30. Januar. (Bild: TAGBLATT/Benjamin Manser)

Die neue Hängebrücke wurde dank der Unterstützung der St.Galler Kantonalbank gebaut, diese unterstütze das Projekt im Zuge des 150-Jahr-Jubiläums. Nach einer Einsprache verzögerte sich der Bau allerdings um einige Monate, weshalb die Eröffnung der Brücke nun nach dem Jubiläumsjahr stattfindet.

Am Freitag wurde die Brücke durch die beiden Pfarrer der umliegenden Gemeinden gesegnet. «Wenn man ein Bauwerk segnen darf, ist man auch dankbar, dass ein Werk erfolgreich gebaut werden konnte», sagt der katholische Pfarrer Eugen Wehrli. Der Segen sei der Abschluss eines gelungenen Projektes. Selbst wird auch der Pfarrer die Brücke rege nutzen. «Ich wohne in Heiden und kann jetzt eine Walkingrunde durch die umliegenden Gemeinden machen.»

Zweitägiges Einweihungsfest

Die Einweihung der Brücke, die zwei Gemeinden und zwei Kantone verbindet, wird auch am Samstag noch gefeiert. Viele Vereine der Gemeinden Eggersriet und Grub bieten Verpflegung und Aktivitäten auf dem Festplatz in der Frauenrüti an. Natürlich kann man die Brücke begehen und verschiedene Info-Punkte zeigen die verschiedenen Abschnitte der Bauarbeiten. Wer dem Fest beiwohnen will, sollte mit dem öV oder Langsamverkehr anreisen, Parkplätze gibt es keine direkt beim Festplatz.

Fabienne Engbers
veröffentlicht: 26. April 2019 18:43
aktualisiert: 27. April 2019 18:18