Pilz-Saison

Die Pilze spriessen – und das Sammeln ist im Trend

Svenja Graf, 17. September 2022, 05:58 Uhr
Trotz des warmen und trockenen Sommers spriessen die Pilze aus dem Boden – berichten zumindest viele Pilz-Fans. Jedoch können dies nicht alle bestätigen. Was aber feststeht: «Pilzeln» ist beliebt, und das hat nicht nur positive Seiten.
Die Pilzsaison ist in vollem Gange.
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Der Sommer war warm und trocken – schlechte Bedingungen für Pilze. «Viele essbare Pilze, zum Beispiel Steinpilze oder Pfifferlinge, hat man kaum gefunden. Seit der Regen zurück ist, explodiert das Pilzwachstum bei uns in St.Gallen aber regelrecht», sagt Heidi Moser, Pilzkontrolleurin in der Stadt St.Gallen und Co-Leiterin des Botanischen Gartens in St.Gallen.

«Pilzeln» ist im Trend – gerade bei den Jungen

Nun schiessen die Pilze aus dem Boden. Das fordert die regionalen Kontrollstellen. «Wir haben alle Hände voll zu tun. Die Leute müssen teilweise auch anstehen und Geduld haben – viele bringen grosse Mengen an Pilzen mit, die wir kontrollieren müssen», sagt Moser.

Selber Pilze zu sammeln, ist beliebt. «Vor allem junge Leute gehen vermehrt in den Wald. Dies nicht nur um Pilze zu sammeln, sondern zum Teil auch Wildkräuter. Andere gehen, um sich einfach zu erholen – das Interesse an der Natur und einheimischen Nahrungsmitteln direkt aus dem Wald ist da», sagt Moser.

Viele Pilze, die meisten sind aber ungeniessbar

Auch im Kanton Thurgau spriessen viele Pilze. «Seit dem Regen in den letzten Wochen wachsen die Pilze. Die Sortenvielfalt ist grösser als letztes Jahr, die Pilzsaison hat aber später eingesetzt», sagt Rolf Schulthess, Pilzkontrolleur in Amriswil. Von den über 4500 Pilzarten in der Region sind aber nur etwa 190 essbar. «Der grösste Teil ist ungeniessbar – beziehungsweise es hat noch nie jemand überprüft, ob sie essbar sind», sagt Schulthess.

Viele Leute im Wald: «Ist ein zweischneidiges Schwert»

Momentan seien in den Wäldern viele Leute unterwegs, welche ihre Pilze kontrollieren lassen wollen. «Das Sammeln der Pilze wurde in den letzten Jahren populärer – für uns Wissenschaftler ist das aber ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite hätte man den Wald gerne für sich allein, auf der anderen Seite ist es aber schön, dass sich mehr Leute dafür interessieren», so Schulthess.

Wichtig sei deshalb, viel Aufklärung zu betreiben und einen schonenenden Umgang mit dem Wald und der Natur zu lehren. «Wenn die Leute ohne Vorahnung in den Wald gehen und einfach wild drauflos sammeln, ist das sehr rücksichtslos. Man sollte sich deshalb im Vorhinein gut informieren». Nicht nur beim Pilzesammeln, auch allgemein sollen die Menschen mehr Rücksicht auf die Natur nehmen, betont Schulthess.

«Wer einen Pilz findet, blufft damit»

Pilz-Fans im ganzen FM1-Land berichten von vielen Pilzen. Fritz Schulthess, Präsident vom Bündnerischen Verein für Pilzkunde Chur, kann dies jedoch nicht bestätigen: «Die diesjährige Pilzsaison ist bis jetzt katastrophal. Wir treffen uns jeden Mittwoch mit Leuten aus dem Oberland, dem Prättigau und den näheren St.Galler Regionen um Pilze – auch ungeniessbare – zu bestimmen. Und dieses Jahr haben wir extrem wenige.»

Es gebe zwar einige Hotspots, wo es mehr geregnet hat, und dementsprechend mehr Pilze wachsen, diese seien jedoch selten. Dass andere Leute von so vielen Pilzen schwärmen, begründet Schulthess folgendermassen: «Sobald jemand Pilze findet, blufft die Person damit. Dass aktuell wahnsinnig viele Leute Pilze einsammeln, ist Quatsch. Man hört immer nur von denen, die welche gefunden haben, aber nie von denen, die nichts gefunden haben.»

Wetter ist entscheidend

«Ob die Pilzsaison noch besser wirkann man noch nicht sagen. Ausschlaggebend ist jetzt das Wetter –  bei uns hat es jedoch trotz Regen noch viele trockene Gebiete», sagt Schulthess. Der Klimawandel werde nicht nur die Pilze, sondern bei symbiotisch lebenden Pilzen auch den Wirt beeinflussen, was eine Prognose über dessen Effekte auf die Pilze unmöglich macht. «Ich denke aber, dass es zu einer Veränderung der Artenzusammensetzung kommen wird, da die Arten unterschiedlich auf die Veränderungen reagieren werden».

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 17. September 2022 05:58
aktualisiert: 17. September 2022 05:58