Die reichen, faulen Liechtensteiner

Vanessa Kobelt, 15. August 2017, 08:10 Uhr
Liechtensteiner haben alle viel Geld, sind miteinander verwandt und müssen fast nie arbeiten. Es gibt kaum ein Land, das so auf Klischees reduziert wird, wie das Fürstentum Liechtenstein. Zum Staatsfeiertag räumen wir damit auf.

Liechtenstein feiert heute seinen Staatsfeiertag – jedes Jahr ein Höhepunkt für die 37'666 Einwohner. Als wohl einzige Fürstenfamilie der Welt laden die Liechtensteiner ihr Volk zum Apéro in den Schlossgarten ein. Anschliessend wird im Städtle Vaduz gefeiert und später das 30-minütige Feuerwerk bestaunt (by the way: Knapp drei Tonnen Material werden da in die Luft gejagt). So klein das Land auch sein mag, so gross ist der Stolz der Einwohner auf viele ihrer lokalen Eigenheiten. Aber nicht alles ist wahr, was man über das Fürstentum hört. Wir haben einige Vorurteile gesammelt und sie dem ehemaligen Skirennfahrer Marco «Büxi» Büchel an den Kopf geworfen.

Büxi, bevor wir mit den Behauptungen beginnen… Gib es etwas, das wir noch nicht über Liechtenstein wissen?

Wir sind netter als man denkt (lacht). Und es geht bei uns ganz normal zu und her, die Schweizer sollten das eigentlich wissen. Es gibt immer wieder Touristen die glauben, bei uns ist jedes Trottoir aus Gold und sogar die Putzfrauen müssten Ferrari fahren. Dabei ist vieles ganz normal.

Wie reagieren eigentlich die Menschen im Ausland, wenn du sagst, du kommst aus Liechtenstein?

Ich habe schon sehr schöne Erfahrungen gemacht. Einmal hat ein Zöllner in Australien meinen Pass kontrolliert. Danach sagte er, er könne jetzt in Rente gehen, da er nun den Pass aus jedem Land auf dieser Welt gesehen hat. Das fand ich super. Oft kennt man das Fürstentum aber gar nicht, - es ist immerhin das sechstkleinste Land der Welt. Ich erkläre dann auf englisch: «Liechtenstein is between switzerland and austria». Meistens meinen sie dann, Liechtenstein liege zwischen Australien und Schweden.

Kommen wir zum ersten Vorurteil über das Fürstentum. In Liechtenstein sind alle reich.

Oh, das stimmt überhaupt nicht! Es ist genauso wie in der Schweiz, da sind auch nicht alle reich. Der Durchschnitt vom Pro-Kopf-Vermögen ist tatsächlich sehr hoch, jedoch gibt es auch bei uns Menschen, die sich mit wenig Geld durchschlagen müssen.

Liechtensteiner haben extrem viel frei und arbeiten nicht gerne. 

Liechtenstein hat tatsächlich extrem viel Feiertage (lacht). Mir kommt es vor, als hätte man die Österreicher und die Schweizer Feiertage zusammengelegt und gesagt: Wir nehmen alle! Womöglich arbeiten wir ja tatsächlich nicht so gerne.

Ihr duzt euch alle.

Auch das ist richtig. Hat damit zu tun, dass jeder jeden kennt. Viele kennen sich aus der Schulzeit und behalten das «Du» auch später im Geschäftsleben bei. Ausser natürlich bei der Fürstenfamilie.

In Liechtenstein blinkt niemand im Kreisel.

Puh… (lacht) Das ist gut möglich! Wird wohl auch damit zusammenhängen, dass jeder jeden kennt. Dann weisst du ja genau: Ah, das ist Heiri, der muss da vorne rechts abbiegen. Wozu noch blinken?

Man muss ein Stück Land besitzen, damit man dazugehört.

In Liechtenstein gibt es drei Fragen, die definieren wer du bist. Wem ghörsch? Hesch Böda? Und musch tala? (Wem gehörst du? Hast du Boden? Und musst du teilen? Anm. d. Red.) Tatsächlich, wenn du keinen Boden hast, gehörst du eher zu der Minderheit.

In jedem öffentlichen Gebäude hängt ein Bild vom Fürsten.

Ja, in jedem öffentlichen Amtsgebäude hängt ein Portrait des Fürsten. Das Bild wird aber nicht mit Blumen geschmückt und man muss auch nicht davor auf die Knie fallen.

In Liechtenstein sind alle miteinander verwandt.

Das Gerücht kann ich nicht bestätigen. Es durchmischt sich gut, es kommen auch viele aus dem Ausland. Ich habe zum Beispiel eine Schweizerin geheiratet und sie nach Liechtenstein entführt (lacht).

In den Liechtensteiner Gemeinden bekriegt man sich gegenseitig.

Bekriegen ist zu heftig ausgedrückt. Es gibt aber einen Schlagabtausch zwischen Ober- und Unterland. Jeder ist sehr stolz auf seine Herkunft und sein Dorf und jeder hält sein eigenes für das Beste. Das reibt man sich scherzhaft unter die Nase.

Liechtensteiner können nicht Skifahren.

Wow, völlig falsch! Liechtensteiner wachsen mit den Skiern an den Füssen auf. Kaum ist man auf der Welt, geht es ab auf die Piste. Dieser Sport hat eine riesengrosse Tradition im Fürstentum, ich kenne kaum jemanden, der nicht Skifahren kann.

Vanessa Kobelt
Quelle: red.
veröffentlicht: 15. August 2017 05:52
aktualisiert: 15. August 2017 08:10