Die Rudolf-Steiner-Schule in Wil geht zu

Noémie Bont, 7. August 2019, 18:50 Uhr
Nach 40 Jahren ist Schluss an der Rudolf Steiner Schule in Wil.
Nach 40 Jahren ist Schluss an der Rudolf Steiner Schule in Wil.
© Facebook
Nach der langen Sommerferienpause füllen ab kommenden Montag in Wil wieder Schüler die leerstehenden Schulhäuser. Nur bei der Rudolf-Steiner-Schule ist der Andrang seit Jahren nicht mehr gross. Die Privatschule schliesst deshalb nach 40 Jahren.

Noch im Mai feierte man in Wil das 40-jährige Bestehen der Rudolf-Steiner-Schule. Jetzt ist die Ära nach einem wegweisenden Entscheid des Schulvereins schon wieder vorbei.

Fast keine Anmeldungen

In den vergangenen Schuljahren besuchten maximal 30 Kinder pro Jahr die Rudolf-Steiner-Schule. Das führte den Schulverein kürzlich zu einer wichtigen Entscheidung: Der Schulbetrieb muss eingestellt werden. «Wir sind wegen den wenigen Anmeldungen finanziell zu knapp unterwegs», sagt Alina Glass, die langjährige Kindergärtnerin an der Steiner Schule. «Letztendlich haben aber auch die Kräfte bei den Elteren und bei den Lehrern für den nebenschulischen Aufwand nicht mehr ausgereicht.»

Kein überraschender Entscheid

Dieser Entscheind kommt für die Stadt Wil nicht überraschend. «Die Schule hat schon länger Mühe, Schülerinnen und Schüler für sich zu gewinnen», sagt die Stadträtin Jutta Röösli vom Departement für Bildung und Sport. Es sei trotzdem ein Verlust für den Bildungsstandort Wil, der aber tragbar sei. «Die Volksschule hat genügend Einheiten, um alle Schüler in der Region beschulen zu können. Deshalb steht auch eine mögliche Finanzierung der Rudolf-Steiner-Schule nicht zur Diskussion.»

Die Stadt Wil hat bereits Kenntnis von Schülerinnen und Schülern der Rudolf-Steiner-Schule, die aufgrund dieses Entscheids an andere Privatschulen wechseln. «Grosse Verlagerungen an die Wiler Volksschulen wird es deshalb keine geben», so die Stadträtin.

Schüler gehen nach Kreuzlingen, St.Gallen und Winterthur

Dies bestätigt auch die Kindergärtnerin Glass. «Viele der Schülerinnen und Schüler wechseln zu den Steiner Schulen in Kreuzlingen und Winterthur.» Aber auch nach St.Gallen zieht es einige ehemalige Steiner Schüler hin. Das bestätigt die Schulleiterin Heidrun Weber gegenüber FM1Today: «Wir hatten einige Anfragen.»

Offenbar sieht die Situation an den anderen Rudolf-Steiner-Schulen in der Ostschweiz etwas angenehmer aus. «Unsere Klassen sind gefüllt. Nicht zuletzt dank der Umstrukturierung, die wir seit zwei Jahren durchführen», so die St.Galler Schulleiterin.

Kindergärtnerin Alina Glass ist seit vielen Jahren schon bei der Rudolf-Steiner-Schule in Wil. (Bild: zVg)
Kindergärtnerin Alina Glass ist seit vielen Jahren schon bei der Rudolf-Steiner-Schule in Wil. (Bild: zVg)
© Kindergärtnerin Alina Glass kämpft um den Erhalt der Spielgruppe und den Kindergarten an der Rudolf-Steiner-Schule in Wil. (Bild: zVg)

Kindergarten auf der Kippe und Spielgruppe bleibt

Für die Kleinsten rund um Wil bleibt das Angebot in der Privatschule jedoch vorerst bestehen. Zwar kämpft auch der Kindergarten um Nachwuchs. «Wir haben im Moment zwei Kindergartenkinder. Schriftlich hat die Schule vom Bildungsdepartement eine Bewilligung erhalten, das Kindergartenjahr durchzuführen und das trotz der Mindestanzahl von sechs Kindern», so die Kindergärtnerin Alina Glass. Das letzte Wort ist aber noch nicht gesprochen. Am Freitag erfahren die beiden Kinder, ob sie kurzfristig einen neuen Kindergarten suchen müssen. «Das wäre ein riesiger Schock für sie.»

Das Spielgruppenangebot wird aber sicherlich nicht eingestellt. «Dort bieten wir auch subventionierte Plätze an, die sehr beliebt sind. Wir bauen die Schule von unten wieder auf.»

Fünf Lehrer gehen weg

Der Rudolf-Steiner-Schule bleiben vier Lehrerinnen und Lehrer erhalten. Fünf Lehrpersonen mussten durch diese Massnahme ihren Job verlassen. «Alle haben sich aber neuorientieren können. Sie sind studieren gegangen, gingen in den Mutterschaftsurlaub oder in Rente und eine Lehrperson vertiefte sich als Künstlerin», so Glass.

Hoffnung stirbt zuletzt in Wil

Wenn sich aber genügend interessierte Eltern und Lehrpersonen zusammentun, könnte der Schulbetrieb von der 1. bis zur 9. Klasse wieder aufgenommen werden. Als vorübergehender Zustupf werden nun zwei von vier Schulgebäude, jene gegen die Säntisstrasse, vermietet an Vereine, Gewerbe als Praxen oder als Ateliers. Die Schulgebäude werden im Ist-Zustand übergeben, da auch für einen Umbau das Geld fehlt.

Hier der Beitrag von TVO:

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Quelle: TVO

Noémie Bont
Quelle: bon
veröffentlicht: 7. August 2019 18:50
aktualisiert: 7. August 2019 18:50