Die Säntisbahn schwebt wieder

Christoph Thurnherr, 29. Mai 2019, 14:37 Uhr
Pünktlich zur Sommersaison hat die Säntis-Schwebebahn ihren Betrieb wieder aufgenommen. Nach der Lawine im Januar können Touristen und Einheimische wieder auf den «König des Alpsteins». Das sind aber nicht die einzigen Neuigkeiten vom Säntis.

Mit seinen 2501,9 Metern überragt der Säntis die Lakaien zu seinen Füssen. Jedes Dorf am Fuss des Berges hat eine Strasse, die den Namen «Säntisblick» trägt. Zwischen 1798 und 1801 gab es gar einen Kanton Säntis. Der Berg ist Orientierungshilfe und das Dach einer ganzen Region – umso schöner, wenn ihn jeder über die Schwebebahn erreichen kann. Das ist jetzt wieder möglich, nachdem die Lawinenschäden vom Januar behoben wurden. «Heute um 8 Uhr war die erste Fahrt mit Gästen. Das war unheimlich schön», sagt der CEO der Säntisbahnen, Bruno Vattioni.

Sie haben sich Zeit gelassen

Bruno Vattioni und Hansruedi Laich, Verwaltungsratspräsident der Säntis Schwebebahn, wirken entspannt, während sie mit Journalisten im Bähnli gen Gipfel schweben. «Sie hätten uns vor ein paar Monaten erleben sollen, das ist kein Vergleich», sagen beide. Die letzten Wochen und Monate waren eine Belastungsprobe. Die Lawine hat einen Pfeiler der Schwebebahn und Teile des Hotels zerstört. Der Schaden kann noch nicht genau beziffert werden, die Rechnungen werden laufend bezahlt. Die Millionengrenze ist aber längst überschritten.

Es dauerte lange den Schaden am Masten zu beheben. Es ging aber auch nicht um die Reparatur eines Einbauschranks, sondern die einer komplexen Konstruktion in grosser Höhe. «So ein statisches Fachwerk ist schwierig einzuschätzen. Wenn es einen Schaden gibt, weiss man danach nicht genau, wie stabil es ist», sagt Vattioni. Es sei deshalb wichtig gewesen, dass die Ingenieure genug Zeit hatten, um Lösungen auszuarbeiten. Ausserdem hat sich ein unabhängiger Fachmann eingebracht. Das brauchte Zeit, die effektiven Reparaturarbeiten begannen erst Ende April.

Zehn, zwölf Stunden an der Felswand

Und dann ist da noch der Schnee. «So viel Schnee hatten wir noch selten im Mai. Auch die Temperaturen waren eher so wie im Januar», sagt Vattioni. Die Reparaturen verlangten den Arbeitern viel ab. Es sei «wahnsinnig bewundernswert», wie sich die Monteure bei äusserst garstigen Bedingungen draussen engagierten. «Zum Teil waren sie zehn bis zwölf Stunden da draussen».

Trotz der hohen Sachschäden welche die Lawine angerichtet hat, betonen Vattioni und Laich, dass bei der Lawine grosses Glück im Spiel war. Es wurden «nur» drei Personen leicht verletzt. Um in Zukunft solche Fälle zu vermeiden, erwarten die Betreiber in den nächsten Tagen ein neu ausgearbeitetes Sicherheitskonzept. Ganz ausschliessen kann man Lawinen laut Bruno Vattioni jedoch nie: «Auf dem Säntis ist die Natur der Chef.»

«Das schönste Bergrestaurant der Schweiz»

Während fast fünf Monaten war das Gipfelrestaurant nur mit dem Helikopter erreichbar. Trotzdem hat sich dort oben Einiges getan. Der Umbau des Restaurants ist in vollem Gange. Aus dem bisherigen Laden mit Schnellimbiss-Ambiente soll nicht weniger als das «schönste Bergrestaurant der Schweiz» werden. Die Eröffnung ist für den 17. Juni geplant. Das ist aber noch nicht alles: Am 22. Juni geht die «Erlebnis-Installation Säntis – der Wetterberg mit 360-Grad Indoor-Panoramaweg» auf. Von Panorama kann am Mittwochvormittag aber noch nicht die Rede sein: Eine graue Nebelsuppe verschluckt den Alpstein und der talwärts fahrenden Bahn kann man nur ein paar Meter weit nachsehen. Immerhin: Am Wochenende wird das Wetter endlich besser. So kommt die späte Wiedereröffnung doch noch rechtzeitig.

Christoph Thurnherr
veröffentlicht: 29. Mai 2019 14:36
aktualisiert: 29. Mai 2019 14:37