Die St.Galler wollen den Asylbewerbern helfen

René Rödiger, 4. September 2015, 14:31 Uhr
Die St.Galler spenden fleissig Kleider für Asylbewerber.
Die St.Galler spenden fleissig Kleider für Asylbewerber.
© TVO
In der Stadt St.Gallen ist vor rund zwei Wochen eine Zivilschutzanlage zur Unterbringung von Flüchtlingen eröffnet worden. Kanton und Stadt stellten die Räumlichkeiten den Medien vor, in denen momentan 76 Frauen und Männer einquartiert sind. Die ersten Erfahrungen sind positiv - selbst auf Facebook wurden Kleider gesammelt.
Wie anderswo in der Schweiz sind auch im Kanton St.Gallen die kantonalen Asylzentren überbelegt und Alternativen dringend gesucht. Im St.Galler Stadtquartier Riethüsli ist seit knapp zwei Wochen eine Zivilschutzanlage neben dem Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum zu einer provisorischen Asylunterkunft umfunktioniert worden.

Am Dienstag wurden die Räumlichkeiten zuerst den Medien, dann der Öffentlichkeit gezeigt. Man sei im Quartier sehr wohlwollend empfangen worden, betonte Urs Weber, Leiter der Asylabteilung im Amt für Migration. Mehr noch: "In 25 Jahren habe ich es noch nie erlebt, dass so viele Hilfsangebote kommen."

Kleidersammlung auf Facebook

Leute aus dem Quartier hätten sich gemeldet und gefragt, was benötigt werde. So habe jemand auf Facebook eine Kleidersammlung organisiert, und eine pensionierte Lehrerin habe sich für Deutschstunden angeboten. Kleider, vor allem für den Winter, seien allerdings weiterhin gefragt. Für die schmächtigen Eritrer eher kleinere Grössen, hiess es.

Im behelfsmässigen Asylzentrum sollen bis zu 100 Personen Platz finden. Momentan sind in den Räumen ohne Tageslicht 60 Männer und 16 Frauen untergebracht. In der blassgelb gestrichenen Zivilschutzanlage mit den schweren Betontüren wird geschlafen und gegessen. Einen engen Raum mit niedriger Decke teilen sich auf Stockbetten 18 Männer. Viel Raum für persönliche Habseligkeiten gibt es dort nicht.

Keine Container

Für die Tagesstruktur konnten die Behörden ganz in der Nähe eine zuvor leer gestandene Liegenschaft mit Schulungs- und Aufenthaltsräumen mieten. "Ein Glücksfall", wie am Rundgang mit den Medien mehrfach betont wurde. Ursprünglich war geplant, auf einer Wiese Container aufzustellen.

Die meisten der Asylsuchenden - aktuell 43 - stammen aus Eritrea. Dreizehn kommen aus Afghanistan, sieben aus Syrien. Die übrigen sind aus anderen Ländern in die Schweiz geflüchtet. Sie bleiben durchschnittlich zwei bis drei Monate im Zentrum und werden danach in die Gemeinden verteilt.

Zivilschützer unterrichten

Zu den Vorbereitungen auf den nächsten Schritt gehören Deutschstunden. Als Lehrer figuriert im Zentrum einer der jeweils fünf Zivilschützer, die für die Betreuung tagsüber verantwortlich sind. Die Klasse mit etwa 30 Asylsuchenden wiederholt im Chor Wörter wie Tisch, Stuhl - leicht verlegen angesichts der neugierigen Medienvertreter.

In einem anderen Raum ist ein Flipchart mit ersten Informationen über den Alltag im Zentrum aufgestellt - jeweils auf Englisch und als Bild: Die erste Zeichnung zeigt ein Schweizer Kreuz, darunter zwei sich schüttelnde Hände. Breakfast ist zwischen 8 und 9 Uhr, um 12 Uhr ist Lunchtime, und um 18 Uhr gibt es Dinner.

Bei ihrer Ankunft bekommen die Männer und Frauen nach ihrer langen Flucht eine sogenannte Grundausstattung: Dazu gehören etwa Shampoo und Zahnbürste. Nachher müssen sie mit ihrem Taschengeld selber auskommen: Ausbezahlt wird ihnen 4.60 Franken pro Tag. Das sind drei Franken Taschengeld, einen Franken für Kleider, 60 Rappen für Hygieneartikel.

Auf sechs Monate befristet

Zum Konzept der Anlage gehört es, dass ein privater Sicherheitsdienst nachts und an den Wochenenden präsent ist. Die Polizei patrouilliert regelmässig. Sechs Monate lang, bis Ende Februar, bleibt das Asylzentrum im Riethüsli in Betrieb, danach wird es geschlossen. Auch dann, wenn alles gut laufe, sagte Jürg Eberle, der Leiter des St.Galler Migrationsamts.

René Rödiger
Quelle: sda
veröffentlicht: 4. September 2015 14:31
aktualisiert: 4. September 2015 14:31