Diebe plündern ganzes Wohnmobil

Stephanie Martina, 24. März 2018, 08:47 Uhr
Einbrecher haben in der Nacht auf Freitag bei der Käser Camping AG in Bischofszell ein nigelnagelneues Wohnmobil komplett ausgeräumt. Vom Fahrersitz bis hin zum Lichtschalter ist alles weg. Dem Geschäftsführer bleibt einen Tag vor seiner Frühlingsausstellung nur eine leere Hülle auf Rädern.

Eben noch freute sich Peter Käser auf seine Frühlingsausstellung. Das ganze Wochenende über wollte er seinen Gästen zeigen, wie komfortabel es sich in seinen Wohnmobilen verreisen lässt, ihnen eine Wurst vom Grill und ein Glas Wein offerieren. Damit für die Ausstellung alles perfekt ist, putzten der Geschäftsführer der Käser Camping AG und seine Mitarbeiter in den vergangenen Tagen alle Fahrzeuge heraus.

Als er am Freitagmorgen zur Arbeit kam und das erste Wohnmobil an seinen Ausstellungsplatz fahren wollte, traf ihn fast der Schlag: «Als wir die Türe des Wohnmobils öffneten, sahen wir, dass der Fahrer- und der Beifahrersitz fehlen», schildert Peter Käser. Im hinteren Teil des Wohnmobils sei alles hell gewesen. Zuerst hätten sie gedacht, dass die hintere Türe offen sein müsse, sagt Käser. Doch da war keine Türe mehr. «Dann sahen wir, dass auch die Fenster weg waren. Und die Polster. Und die Küche. Zudem waren auch die Spüle und das Bad sowie Lichtschalter und Lampen abmontiert worden. Das ganze Wohnmobil war komplett ausgeräumt», sagt Käser.

Kunde wollte mit Wohnmobil in die Ferien

Einen Tag vor seiner Frühlingsausstellung steht der Bischofszeller Campingladen-Inhaber vor einem Wohnmobil, das nichts weiter mehr ist, als eine leere Hülle auf Rädern. Zuerst habe er gedacht, er sei im falschen Film, sagt Käser. Doch nachdem der erste Schock verdaut war, tauchten bereits die nächsten Sorgen und offenen Fragen auf. Das Fahrzeug sollte in 14 Tagen vermietet werden. Was jetzt? Wie kann der Kunde trotzdem in die Ferien fahren? Gibt es ein anderes Wohnmobil, das passen würde? Oder muss irgendwo nochmals ein solches Wohnmobil gekauft werden? Doch bevor sich Käser und sein Team mit der Lösung dieser Probleme beschäftigen konnten, verständigten sie die Polizei.

25'000 Franken Schaden

Nachdem die Spurensicherung ihre Arbeit abgeschlossen hatte, verschaffte sich Peter Käser einen genauen Überblick über den angerichteten Schaden: «Es fehlt einfach alles, sodass es unmöglich ist, die ganzen Ersatzteile innert einer Woche zu bestellen. Zudem können wir mit der Reparatur erst beginnen, wenn die alle Versicherungsfragen geklärt sind - und das kann dauern.» Welchen Schaden die Einbrecher angerichtet haben, kann Käser noch nicht genau beziffern. Da jedoch auch die Aussenwände beschädigt wurden, geht er von einer Schadenssumme von rund 25'000 Franken aus.

Käser ist sich sicher, dass die Fahrzeuge über Nacht abgeschlossen waren - wie immer habe er gestern kurz vor Feierabend einen Kontrollgang gemacht. Da sei noch alles in Ordnung gewesen. «Die Einbrecher müssen über das Fenster eingestiegen sein und das Fahrzeug von innen entriegeln haben», sagt er.

Täterschaft ging professionell vor

Eine Vermutung, wer hinter dem Verbrechen stecken könnte, hat Käser nicht. Einen Jugendstreich schliesst er jedoch aus. Dafür seinen die Einbrecher zu systematisch und professionell vorgegangen. «Das ist eine ganz andere Dimension: Die Täter haben die Fenster mit den dazugehörenden Dichtungen entfernt und die ganze Türe samt Rahmen demontiert. Die wussten ganz genau, was sie taten», ist Käser überzeugt.

Davon gehe auch die Kantonspolizei Thurgau aus, sagt Mediensprecher Mario Christen. «Aufgrund der Spurensicherung vermuten wir, dass es sich um eine Täterschaft handelt, die etwas vom Fach versteht. Unsere Ermittlungen stehen jedoch noch ganz am Anfang und gehen in alle Richtungen.» Der Polizei sind keine ähnlich gelagerten Verbrechen bekannt. Wie Christen sagt, handle es sich bei diesem Einbruch bislang um einen Einzelfall.

Ironie des Schicksals

Noch am Donnerstag hat Peter Käser in seinem Geschäft ein Werbeplakat aufgehängt mit dem Titel: «Ist ihr Fahrzeug einbruchsicher?» Damit wollte er an der Frühlingsausstellung seine Kunden dazu motivieren, dass sie die Installation einer Alarmanlage bei ihm in Auftrag geben. Über diese Ironie muss sogar Peter Käser lachen: «Am Freitagmorgen wurde mir bewusst, warum ich das aufgehängt hatte. Aber weil es ein Neuwagen war, war dieses Wohnmobil noch nicht mit einer Alarmanlage ausgestattet. Dummerweise.»

Stephanie Martina
veröffentlicht: 24. März 2018 08:47
aktualisiert: 24. März 2018 08:47