Doch keine Ikea für Lustenau

Laurien Gschwend, 10. April 2018, 18:26 Uhr
Die Lustenauer müssen nach St.Gallen oder Innsbruck fahren, um Köttbullar zu essen. (Symbolbild)
Die Lustenauer müssen nach St.Gallen oder Innsbruck fahren, um Köttbullar zu essen. (Symbolbild)
© Keystone/EPA/Marcel Antonisse
Ende Mai stimmt Lustenau über eine neue Ikea-Filiale ab - nun hat der schwedische Möbelriese das Projekt vorzeitig abgeblasen. Dies unter anderem aufgrund des Verkehrs.

Als eine neue Filiale des Möbelhauses Ikea in Lustenau ins Gespräch kam, befürchteten die Initianten hinter «Lebenswertes Lustenau» eine Zunahme des Verkehrs. Rund 3200 Personen sprachen sich gegen eine neue Ikea aus, weshalb Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer eine Volksabstimmung auf den 27. Mai ansetzte.

3800 zusätzliche Fahrzeuge

Fischer sagte jedoch auch, dass für ein definitives Ja eine entsprechende Verkehrslösung her müsse. Derzeit sind täglich rund 24'500 Autos im Bereich des vorgesehenen Ikea-Standorts unterwegs, durch die Eröffnung des schwedischen Möbelhauses kämen 3800 Fahrzeuge dazu. Dass Ikea mit 240 Stellen der drittgrösste Arbeitgeber in Lustenau wäre und über 100'000 Euro Steuern bezahlen müsste, konnte die Projektgegner nicht überzeugen.

Am Dienstag verkündet Ikea überraschend, das Lustenau-Projekt auf Eis zu legen. Mediensprecherin Barbara Riedl nennt die Gründe gegenüber den Vorarlberger Nachrichten: «Einerseits das Thema Verkehr, das in absehbarer Zeit schwer zu lösen scheint. (...) Dazu kommt die ungewöhnlich lange Dauer der Projektentwicklung. Wir sind so weit weg von unserem ursprünglichen Wunschzeitplan, dass sich in der Zwischenzeit die Rahmenbedingungen massiv geändert haben.» Wegen der Digitalisierung und der Urbanisierung seien Umwälzungen im Gange.

«Abstimmung kam zu früh»

«Nun bewahrheitet sich, dass die Volksabstimmung ohne vorliegendes Projekt zu früh gekommen ist», sagt Kurt Fischer im Interview mit vol.at. Die Volksabstimmung am 27. Mai - die erste in Lustenau seit rund 20 Jahren - muss trotz der Absage abgehalten werden. Sie wurde bereits von der Wahlbehörde beschlossen.

Laut Vorarlberger Berechnungen wandern derzeit 7,4 Millionen Euro zu Möbelhäusern in die Schweiz und nochmals 8 Millionen Euro nach Deutschland ab. Die bestehenden Ikea-Filialen, die Lustenau am nächsten sind, sind St.Gallen und Innsbruck.

Laurien Gschwend
Quelle: red.
veröffentlicht: 10. April 2018 14:42
aktualisiert: 10. April 2018 18:26