St.Gallen

Doppelt so viele Lärmklagen in der Coronakrise

Géraldine Bohne, Laurien Gschwend, 21. Mai 2020, 15:18 Uhr
Die Lärmbeschwerden sind im Kanton St.Gallen seit der Coronakrise deutlich mehr geworden. (Symbolbild)
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Wegen der vielen Zeit zu Hause: Seit Mitte März sind bei der Kantonspolizei St.Gallen doppelt so viele Lärmklagen eingegangen als in den Jahren zuvor. Ähnliches beobachten die Kantonspolizei Thurgau und die St.Galler Stadtpolizei. Oft geht es um Lärm in der Nachbarschaft.

Die Kantonspolizei St.Gallen hat während der Coronazeit nicht weniger zu tun: Alleine wegen Lärmklagen musste sie seit März über 300 Mal ausrücken. Vor einem Jahr waren es im gleichen Zeitraum zwischen Anfang März und Ende Mai nur halb so viele gewesen.

«Es war eine spezielle Situation», sagt Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen. «Die Leute verbrachten viel Zeit zu Hause, sie waren dünnhäutiger als sonst.» Die Ruheklagen diesen Frühling waren keine klassischen Lärmklagen, wie bei Partys. «Uns erreichten viel mehr Meldungen zu Motorenlärm wegen Posern oder Nachbarschaftsklagen.» Gerade bei Lärm in der Nachbarschaft werde schnell zum Hörer gegriffen.

Dabei musste die Polizei auch vermehrt am Tag wegen Ruhestörungen ausrücken. «Normalerweise gibt es sonst die meisten Klagen zwischen zehn Uhr abends und den frühen Morgenstunden», so Schneider.

Eine deutliche Zunahme von Lärmklagen beobachtet auch die Kantonspolizei Thurgau. «Wenn man die Zeitspannen dieses Jahr mit den anderen Jahren seit 2016 vergleicht, sehen wir heuer massiv mehr Lärmklagen», sagt Mediensprecher Matthias Graf.

Verdoppelung auch bei St.Galler Stapo

Auch in der Stadt St.Gallen hat die Anzahl der Lärmklagen in der Coronakrise zugenommen, wie Dionys Widmer, Mediensprecher der Stadtpolizei St.Gallen, auf Anfrage sagt. «Im April waren es 104 Lärmklagen.» Letztes Jahr zu dieser Zeit sowie in den Vormonaten seien es jeweils rund 50 gewesen.

Die meisten Fälle betreffen laut Widmer Personenlärm daheim und unterwegs. «In der aktuellen Coronazeit sind sowohl Lärmverursacher als auch jene, die den Lärm hören, vermehrt zu Hause, deshalb ist wohl ein Anstieg zu beobachten.»

In anderen Kantonen ist's ruhig

Im Kanton Appenzell Ausserrhoden wird hingegen keine Zunahme an Lärmklagen festgestellt.Ein Anstieg der Klagen wird erst in der kommenden Zeit, wegen der Lockerungen und des schönen Wetters, erwartet. Auch in der Stadt Chur gab es nicht mehr Lärmklagen als sonst. Hier haben sich die Lärmklagen leicht verlagert, statt Verkehrslärm ist mehr Nachbarschaftslärm gemeldet worden.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 21. Mai 2020 10:57
aktualisiert: 21. Mai 2020 15:18