Ein Umbau wie zu Ururgrossvaters Zeiten

Laurien Gschwend, 18. September 2017, 14:27 Uhr
Das in den Jahren 1897/98 errichtete Berggasthaus Meglisalp im Alpstein soll umgebaut werden. Mitfinanziert wird das Projekt von Gästen und Freunden der Wirtefamilie. Mit «Zeddeln» und Zinsen in Form von Naturalien - wie zu Urgrossvaters Zeiten.

«Die Geldgeber sollen sich mit dem Umbau identifizieren können», sagt Sepp Manser, Inhaber der Berggasthaus Meglisalp AG. Mit seiner Frau Gaby und den Kindern entschied er sich dafür, dass möglichst viele Gäste, Freunde und Bekannte das Projekt mittragen sollen - neben der Unterstützung von der Appenzeller Kantonalbank.

Wer sich für ein rückzahlbares Darlehen in der Höhe von 1520 Franken (ein Franken pro Höhenmeter der Meglisalp) oder 5000 Franken entscheidet, bekommt als Zinsen Gutscheine, um im Berggasthaus essen und trinken oder übernachten zu können. «Eine solche Finanzierung war früher Gang und Gäbe, die ‹Zeddel› haben auch heute noch eine Bedeutung bei Innerrhoder Geschäften und Privaten.» Auch zu den Zeiten des Ururgrossvaters der Familie Manser, der die damalige «Kuranstalt Meglisalp» erbaute, funktionierte die Finanzierung über private Investoren, welche sogenannte «Zeddel» (Darlehensverträge) zeichneten.

Mehr Privatsphäre für die Gäste

Nach dem Um- und Anbau sollen - wie bis anhin - 130 Personen im Berggasthaus Meglisalp übernachten können. Die Matratzenlager weichen allerdings Doppel- und Familienzimmern. «Damit reagieren wir auf das Bedürfnis unserer Gäste nach mehr Raum, Ruhe und Privatsphäre», erklärt Sepp Manser. Weiter steht die Umsetzung verschiedener Vorschriften im Bereich des Brandschutzes an.

«Wir wollen nicht, dass sich der Charakter des Hauses verändert», stellt der Alpstein-Wirt klar, «wir wollen definitiv ein heimeliges Berggasthaus bleiben». Eine hochmoderne Unterkunft komme nicht in Frage. «Unser Angebot bleibt einfach. Und es wird auch in Zukunft keine Möglichkeit geben, mit dem Auto anzureisen. Alle müssen hochlaufen.»

«Sind froh, wenn Geld kommt»

Das definitive Bauprojekt wird erst nach der Zusicherung der Geldgeber im Detail ausgearbeitet und geplant. «Wir schauen dann, was mit dem Geld, das wir erhalten haben, überhaupt möglich ist», sagt Manser. Das sei eine «gesunde Finanzierung». Der Inhaber des Berggasthauses Meglisalp möchte noch keine Prognose zur Höhe der Beiträge durch das «Zeddel»-Projekt machen. «Wir sind froh, wenn Geld kommt und sind dankbar, wenn wir bauen können.»

Die heutige Wirtefamilie Manser (Bild: zVg)

In den vergangenen Jahren haben neben der Meglisalp auch die Berggasthäuser Rotsteinpass, Alter Säntis, Plattenbödeli, Bollenwees und Forelle saniert. Ist man als Alpstein-Wirt gezwungen, nachzuziehen? «Einen direkten Konkurrenzgedanken gibt es hier im Alpstein nicht», findet Sepp Manser. Jeder bediene ein anderes Segment, «deshalb arbeiten wir zusammen statt gegeneinander». Die Gasthäuser seien aber alle etwa gleich alt. «Irgendwann muss man renovieren. Nicht, weil die anderen bauen, sondern weil man den Häusern schauen muss.»

Von Doppelzimmern zum Matratzenlager

Der Ururgrossvater der heutigen Wirtefamilie erbaute die «Kuranstalt Meglisalp» in den Jahren 1897/98 in der heutigen Form und Grösse - dies, nachdem der Alpstein Mitte des 19. Jahrhunderts touristisch erschlossen worden war. Nachdem es in der Meglisalp zu Beginn Doppelzimmer gab, wurden diese während der Kriegsjahre in Matratzenlager umgewandelt. «Die Gäste hatten nicht viel Geld», sagt Manser. Nun gehe der Trend wieder zurück zu den Anfängen.

In diesem und im kommenden Jahr stehen die Finanzierung und die Projektierung des «Zeddel»-Projektes an. «Spätestens im Frühling 2019 beginnen die Bauarbeiten», sagt Sepp Manser. Auf die Saison 2020 soll die Meglisalp Neueröffnung feiern. Informationen zum Bauprojekt und den Darlehen gibt's hier.
Laurien Gschwend
veröffentlicht: 18. September 2017 14:15
aktualisiert: 18. September 2017 14:27