«En z’Mittag wia bi da Oma dahom»

Vanessa Kobelt, 26. Oktober 2018, 11:52 Uhr
Genau vor einem Jahr feierte das Restaurant «Tatort Stadtbeiz» in Altstätten seine Eröffnung. Die Wirtinnen: Zwei Freundinnen ohne Koch- und Serviceausbildung. Dafür mit einer grossen Mission.

Es ist einer dieser schönen Herbsttage, an denen man in der Mittagssonne noch draussen essen kann. Ein Mann mittleren Alters sitzt im Restaurant «Tatort Stadtbeiz» in Altstätten und isst zu Mittag. Erst ein Herbstsalat mit selbstgebackenem Brot. Dann Schmorbraten. Zum Schluss ein Stück hausgemachter Kuchen. Der Mann ist Stammgast, weil: «Do git’s en z’Mittag wia bi da Oma dahom», sagt er. Das mache die kleine aber feine Beiz aus. Hier gäbe es ausserdem nur Produkte aus der Region und ohne «künschtlichs Gschmäus drin», so der Gast.

Eine grosse Portion Wahnsinn

Der Gast fasst das Konzept des Restaurants gut zusammen. Vor genau einem Jahr haben sich die beiden Freundinnen Carmen Breitenmoser (47) aus St.Margrethen und Beatrice Fischlin-Eichmüller (45) aus Altstätten dazu entschlossen, den Schritt zu wagen und ihre eigene Beiz zu eröffnen. An einem Ort, an dem schon mehrere Restaurants vor ihnen wieder schliessen mussten und ohne irgendwelche Vorkenntnisse in der Gastronomie-Branche. «Dazu braucht es nicht nur Mut, sondern auch eine grosse Portion Wahnsinn», sagt Beatrice Fischlin-Eichmüller lachend. «Wir haben zum Glück nicht viel darüber nachgedacht. Kochen war schon immer unsere grosse Leidenschaft und wir sind einfach ins kalte Wasser gesprungen.»

So auftischen wie zuhause

Beim Kochen wechseln sich die beiden wöchentlich ab, wer nicht am Herd steht, bedient die Gäste. Auch das haben die beiden Frauen nie gelernt und machen alles nach Gutdünken. «Die Leute verzeihen es uns, wenn nicht immer alles perfekt ist», sagt Carmen Breitenmoser. «Wir versuchen einfach so aufzutischen, wie wir es zuhause auch immer gemacht haben.» Im Gegensatz zu anderen Lokalen, gebe es bei ihnen dafür eine Genuss-Garantie. «Schmeckt es einem Gast mal nicht, darf er etwas anderes auswählen.» Zumindest das ist anders, als bei Oma zuhause.

Man weiss, was auf dem Teller landet

Die unkomplizierte Art scheint bei den Gästen gefragt zu sein, nicht selten ist das Restaurant um die Mittagszeit oder abends gut besucht. Zur Auswahl stehen maximal drei Menus, saisonal, ohne Geschmacksverstärker. «Wir wollen so kochen, wie es unsere Grossmütter schon gemacht haben», sagt Beatrice Fischlin-Eichmüller. Die Produkte dazu kaufen sie alle in der Region. «Wir wollen aus ökologischen Gründen keine weiten Wege für unsere Lebensmittel zurücklegen. Ausserdem kann man so die Lädeli in der Umgebung unterstützen. Man weiss, was auf dem Teller landet und es schmeckt auch noch besser.»

Konzept passt in die jetzige Zeit

Regionale Lebensmittel haben ihren Preis, so kostet ein z’Mittag im «Tatort Stadtbeiz» mehr als ein Kebab oder ein Burger im nächsten Fastfood-Restaurant. Dies sei aber kein Problem. «Die Qualität des Essens ist den Leuten immer wichtiger. Unser Konzept scheint genau in die jetzige Zeit zu passen», findet Beatrice Fischlin-Eichmüller. Die beiden Frauen sind überzeugt, mit ihrem Restaurant etwas Gutes zu tun – und so wird der «Tatort Stadtbeiz» zu einem Ort der guten Tat.

Vanessa Kobelt
Quelle: kov
veröffentlicht: 26. Oktober 2018 11:26
aktualisiert: 26. Oktober 2018 11:52