Zahlungsmethode

Experte warnt vor Einkaufen auf Pump im Laden

Linda Aeschlimann, 7. November 2019, 15:10 Uhr
H&M Schweiz Schaufenster
Neue Schuldenfalle: Bei H&M kann jetzt auch im Geschäft auf Rechnung eingekauft werden
© Keystone
Kleider im Laden direkt mitnehmen – bezahlen aber erst später. Was beim Onlineshopping bereits gang und gäbe ist, gibt es jetzt auch im Detailhandel, zum Beispiel bei H&M. Eine neue Form, um in die Schuldenfalle zu rasseln, sagt ein Experte. Besonders gefährdet ist die jüngere Generation.

Kleider kaufen auf Pump: Dies ist nicht nur online möglich, sondern jetzt auch in Kleiderläden. Vor wenigen Wochen hat dieses System H&M eingeführt. In den Schweizer H&M-Läden können die Kundinnen und Kunden nun die Kleider direkt mit nach Hause nehmen und später per Rechnung bezahlen. Auch das physische Einkaufen soll «flexibler, komfortabler und einfacher werden», heisst es bei der schwedischen Modekette.

Eine der grössten Schuldenfallen

Wenig überrascht über diese neue Zahlungsmethode ist der Schuldenexperte. «In jedem Möbel- oder Elektrogeschäft ist dies heute schon möglich. Nun ziehen die Kleiderläden nach und bald wahrscheinlich auch der gesamte Detailhandel», sagt Lorenz Bertsch, Sozial- und Schuldenberater bei Caritas St.Gallen-Appenzell.

Für den Experten ist dies eine der grössten Schuldenfallen, die es gibt. «Es ist nicht der Einzelfall, sondern die Kumulierung», sagt Bertsch. Man beginne mit dieser Zahlungsmethode im einten Geschäft und gehe dann zum anderen. Und plötzlich hätten die Leute Rechnungen von tausenden Franken, die sie gar nicht bezahlen können.

Junge Generation im Visier

Auf Rechnung physisch im Geschäft einkaufen, ist gemäss Bertsch noch kein Trend. «Die Tendenz ist aber steigend. Das Angebot, respektive diese Möglichkeit, ist verlockend.» Besonders attraktiv ist diese Einkauf- und Zahlungsmethode für die junge Generation, sagt der Schuldenberater.

Lorenz Bertsch

Lorenz Bertsch ist Bereichsleiter bei der Sozial- und Schuldenberatung von Caritas St.Gallen - Appenzell.

© Tagblatt

Die Caritas-Kennzahlen zeigen deutlich, dass sich immer mehr junge Menschen verschulden. Und bei dieser Generation möchte die Fachstelle ansetzen. Denn hinter der Verschuldung stecke eine Lobby. Das Ziel dieser Lobby ist klar: Die Wirtschaft muss laufen. Es soll konsumiert werden.

Lorenz Bertsch sagt: «Wir müssen präventiv arbeiten und den Jungen sagen ‹hey, passed uf!›.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 7. November 2019 15:41
aktualisiert: 7. November 2019 15:10