Fall Ylenia: Politiker fordern Aufarbeitung

Marc Sieger, 1. März 2019, 19:24 Uhr
Der Fall Ylenia beschäftigt weiter - nun auch die Politik. Nachdem am Donnerstag die St.Galler Staatsanwaltschaft erklärte, denn Fall nicht wieder aufarbeiten zu wollen, werden am Freitag Politiker aktiv. Sie fordern, dass die Staatsanwaltschaft den Tod des Mädchen doch noch neu untersucht.

«Die damalige Untersuchungen wurden akribisch durchgeführt, wir sehen keine Veranlassung den Fall neu aufzurollen.» So lautet die Stellungnahme der Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen zur aktuellen Berichterstattung zum Fall Ylenia. Verschiedene Medien, darunter TVO und FM1Today berichten diese Woche, dass es im Fall des 2007 entführten und getöteten Mädchens aus Appenzell einen Mittäter gegeben haben könnte. Dies gestützt auf Recherchen des Bestseller-Autors Peter Beutlers und des ehemaligen Polizisten Roger Sutter, sowie verschiedenen Zeugenaussagen, die auf einen weiteren Täter hinweisen und die Arbeit der damaligen Staatsanwaltschaft in Frage stellen. In den Hauptverdacht gerät der inzwischen verstorbene Toggenburger W.F. (FM1Today berichtete). Die St.Galler Staatsanwaltschaft will den Fall aber trotzdem auf sich beruhen lassen.

Auf TVO fordern die Politiker eine Aufarbeitung des Falls Ylenia

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Damit wollen sich nun aber diverse Politiker nicht zufrieden geben, wie TVO berichtet. So zum Beispiel der St.Galler Alt-Kantonsrat Josef Hollenstein. Während seiner Zeit im Kantonsrat vor zwölf Jahren, hatte er einen vertieften Einblick in die damalige Arbeit der Justiz. «Ich musste mit Bedauern feststellen, dass man den Fall so schnell wie möglich abschliessen wollte, wie, das sei mal dahingestellt.» Er kann nicht verstehen, dass die Staatsanwaltschaft den Fall nun nicht wieder aufnehmen will.

Gross ist das Unverständnis auch bei FDP-Kantonsrat und Rechtsanwalt Alexander Bartl. «Die Staatsanwaltschaft lässt einiges offen, und beantwortet zu wenig, wieso sie nicht handeln will.»

Nun sei die Politik gefordert, findet SVP-Kantonsrat Michael Götte. Er will den Fall Ylenia und die Position der Staatsanwaltschaft zunächst in der St.Galler SVP-Fraktion diskutieren. «Wir können der Staatsanwaltschaft zwar nicht vorschreiben, was sie tun und was sie lassen soll, aber im Interesse der Bevölkerung muss man schon einige Fragen stellen.»

Auf die Vorwürfe und Forderungen aus der Politik angesprochen, reagiert die Staatsanwaltschaft zurückhaltend. Ein verbindliche und fundierte Stellungsnahme bleibt vorerst aus, gegenüber TVO lässt die Staatsanwaltschaft aber mitteilen: «Allfälligen Vorwürfen sehen wir gelassen entgegen.»

Marc Sieger
Quelle: red.
veröffentlicht: 1. März 2019 19:24
aktualisiert: 1. März 2019 19:24