Nationalfeiertag

Feuerwerksbranche setzt auf private 1.-August-Feiern

29. Juli 2020, 14:05 Uhr
Ein 1. August ohne Feuerwerk ist fast nicht vorstellbar.
© Hildegard Bickel
Die meisten der grossen 1.-August-Feiern sind in diesem Jahr abgesagt. Nach dem Feuerverbot 2018 und dem aufflammen der Klimadebatte 2019 macht Corona der Feuerwerks-Branche erneut einen Strich durch die Rechnung. Nun hoffen die Verkäufer von Feuerwerksartikeln auf private Abnehmer.

Am Schweizer Nationalfeiertag ist man es sich gewohnt, dass es bis spät in die Nacht am Himmel klöpft. Grosse Versammlungen an offiziellen Feiern wird es in diesem Jahr aufgrund des Coronavirus nicht geben. Der Verkauf von Feuerwerkskörpern verlagert sich auf Privatpersonen.

Feuerwerks-Branche schaut auf schwierige Jahre zurück

«Die Leute feiern in diesem Jahr zu Hause im kleinen Rahmen. Dort spüren wir einen Anstieg im Verkauf im Vergleich zu den letzten Jahren», sagt Alain Stucki, Geschäftsführer der Stucki AG in Wil. Besonders die letzten beiden Jahre waren schwierig für die Pyrotechnik-Branche: 2018 galt ein Feuerverbot, 2019 warf die Klimadiskussion Fragen im Hinblick auf die Umweltverträglichkeit von Feuerwerkskörpern auf.

Dies bestätigt auch Christoph Amann, Geschäftsführer von Fire-Event in Hohenems: «In den letzten Jahren haben wir fünf bis acht Prozent weniger verkauft. Normalerweise haben wir zum 1. August drei grosse Kunden in der Schweiz beliefert, was seit 2018 weggefallen ist.» Nun hofft auch er auf Schweizer Privatkunden: «Der Verkauf hat in diesem Jahr merklich früher angefangen. In den ersten paar Tagen hatten wir deutlich mehr Schweizer Kunden als in den letzten Jahren.»

Neu im Trend: klein und klimaneutral

Allgemein prophezeit Christoph Amann, dass der Verkauf von Feuerwerksprodukten aufgrund der Klimadebatte in den nächsten Jahren zurückgehen werde. «Wir werden unseren Umsatz aber halten können, da wir immer mehr klimafreundliche und klimaneutrale Produkte anbieten.» Diese seien es auch, welche von der Schweizer Kundschaft in diesem Jahr besonders häufig nachgefragt werden. Auch Alain Stucki erkennt in diesem Jahr einen Trend: «Die grossen Böller werden immer weniger nachgefragt. Weil der 1. August in diesem Jahr zum Familienfest wird, sind es kleinere Raketen oder Vulkane, die mehr verkauft werden.»

Anders als 2018 gibt es in diesem Jahr kein absolutes Feuerverbot in der Schweiz – trotz der Trockenheit in den letzten Tagen. Allerdings gilt in den Kantonen Thurgau und Graubünden mittlerweile erhebliche Waldbrandgefahr. «Unachtsamkeiten, fahrlässiges Handeln oder Übermut im Umgang mit Feuerwerkskörpern führen immer wieder zu Bränden», schreibt der Kanton Graubünden. Feuerwerkskörper dürfen deshalb nur in einem Mindestabstand von 40 Metern zum Wald abgefeuert werden. Im Kanton St.Gallen wird die Waldbrandgefahr aktuell noch als mässig eingestuft, was sich aber je nach Wetterbedingungen bis zum 1. August noch ändern könnte.

Polizei appelliert an gesunden Menschenverstand

Auch die Kantonspolizei St.Gallen appelliert an die Vernunft der Bevölkerung: «Man muss sehr aufpassen, wenn man zwischen Häusern Feuerwerke steigen lässt. Wir setzen darauf, dass die Leute gesunden Menschenverstand walten lassen», sagt Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen. Bei der Polizei stellt man sich darauf ein, dass am 1. August auch vermehrt Lärmklagen eingehen werden. Es habe allerdings sein Gutes, dass der Nationalfeiertag auf einen Samstag falle: «Wenn der 1. August auf einen Wochentag fällt, werden noch am Wochenende vor- und nachher Feuerwerke abgelassen. Offiziell ist dies aber nur am Nationalfeiertag erlaubt.»

Den privaten Feuerwerken im kleinen Rahmen steht also fast nichts mehr im Weg. Trotzdem ermahnt Alain Stucki zur Vorsicht: «Es besteht das Problem, dass manchmal Unfälle passieren. Auch wenn man im Privaten feiert, müssen die Sicherheitsabstände zu den Feuerwerkskörpern eingehalten werden. So kommen alle sicher durch den 1. August.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 29. Juli 2020 14:11
aktualisiert: 29. Juli 2020 14:05