Herdenschutz

Flawiler Älpler besorgt: «Kommt der Wolf, gehe ich – und die Alp verwildert»

19. Mai 2022, 19:18 Uhr
Der Bund hat am Donnerstag mitgeteilt, dass er Millionen für den Herdenschutz der diesjährigen Alpsaison bereitstellt. Doch was halten die Betroffenen davon? TVO hat mit einem Flawiler Älpler gesprochen.
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Quelle: tvo

Markus Eggenberger ist in grosser Sorge. Bald wird er mit seinen rund 700 Schafen auf seine zwei Alpen im Weisstannental und im Alpstein ziehen. Der Älpler weiss, dass sich in den vergangenen Jahren der Wolf in den Ostschweizer Bergen ausgebreitet hat. Es werden immer wieder Risse gemeldet.

Angesprochen auf die Risse zeigt sich Eggenberger wütend: «Zuhause schauen wir auf die Tiere, damit ihnen nichts passiert. Sobald wir sie auf die Alp geben, sind wir nie sicher, ob der Wolf die Tiere reisst.»

Wolf bedeutet Zusatzsaufwand

Viele Älpler engagieren zusätzliche Hirten und stallen die Tiere über Nacht ein. Markus Eggenberger hat sich gar extra Herdenschutzhunde zugelegt. Das ist für die Bauern viel Aufwand, den sie ohne Wolf nicht hätten. Das bestätigt auch Eggenberger: «Es ist viel Zusatzarbeit. Und ich muss ja schauen, dass ich die Personen finde, die mir helfen können. Denn in dem steilen Gelände ist die Arbeit nicht einfach.» Hinzu kommen die Kosten. So lohne es sich für Eggenberger nicht, einen Hirten für die Alp im Alpstein zu engagieren, da es zu wenig Schafe auf der Alp hat.

In Eggenbergers Stimme schwingt viel Frust mit, als TVO ihn auf einen allfälligen Wolfsriss anspricht: «Sobald der Wolf kommt, gehe ich mit den Tieren nach Hause. Und dann wird die Alp wahrscheinlich nicht mehr bewirtschaftet und verwildert.»

Bund spricht 5,7 Millionen Franken für Herdenschutz

Der Bund hat die Sorgen der Älpler allerdings wahrgenommen. Der Bund hat am Donnerstag zusätzliche 5,7 Millionen Franken für den Herdenschutz in der diesjährigen Alpsaison gesprochen. Nutztierhalter und Alpbewirtschafterinnen können bei den Kantonen Gesuche für Sorfortmassnahmen einreichen.

Der Bund wird den Kantonen 80 Prozent der Kosten vergüten, wie das Bundesamt für Umwelt (Bafu) am Donnerstag mitteilte. Mögliche Massnahmen seien etwa mehr Hilfspersonal oder mobile Unterkünfte auf abgelegenen Alpen.

Zuletzt lebten rund 150 Wölfe in der Schweiz, schrieb das Bafu. Durch den Herdenschutz reissen gemäss der «Gruppe Wolf Schweiz» Wölfe weniger Nutztiere. Pro Wolf seien es im letzten Jahr durchschnittlich sechs Nutztiere gewesen.

Das Parlament arbeite zurzeit an einer neuen Vorlage zur Änderung des Jagdgesetzes, hiess es seitens Bafu weiter. 2020 hatte das Schweizer Stimmvolk das revidierte Jagdgesetz und damit den präventiven Abschuss von Wölfen abgelehnt.

(sda/red.)

Quelle: TVO/sda
veröffentlicht: 19. Mai 2022 19:18
aktualisiert: 19. Mai 2022 19:18
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