Jetzt gibt es eine Gnadenfrist

Fragezeichen und viel Ärger bei den Eigentumsverhältnissen der Toggenburger Alphütten

10. November 2022, 20:37 Uhr
Wem gehören die Toggenburger Alphütten? Diese Frage löste Anfang Jahr einen regelrechten Streit zwischen Älplern und dem Kanton St.Gallen aus. Eine dreijährige Gnadenfrist soll das Eigentumsverhältnis nun regeln.
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Im Kanton St.Gallen gibt es über 60 Alpkorporationen – rund die Hälfte davon im Toggenburg. Im Februar dieses Jahres wurde das Grundbuchamt im Zuge eines neuen Reglements bereinigt. Das bedeutet, dass nicht mehr die Alpbauern, sondern die Alpkorporationen die offiziellen Besitzer der Liegenschaften wurden.

Kanton mache ein Affentheater

Die Älpler wurden plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt. So auch Alpbauer Jakob Knaus aus Unterwasser. Eine Alphütte und zwei Ställe, die er bewirtschaftet, seien aus dem Grundbuch gestrichen worden. Gegenüber TVO sagte er im Februar 2022: «Wir dürfen einfach noch die armen Bauern sein, die mit ihren Kühen auf die Alp weiden gehen und möglichst nichts mehr zu sagen haben.»

Jetzt möchte er einen Baurechtsvertrag machen, sodass er wieder als Besitzer gilt. «Das Eigentum wäre wieder am richtigen Ort», sagt Knaus. Enttäuscht vom Kanton ist er dennoch. «Dass ausgerechnet unser Kanton nichts Gescheiteres kann, wie alles zu verzögern und ein Affentheater zu machen.»

Verschiedene Lösungsmöglichkeiten

Eigentlich hätten für eine bessere Rechtssicherheit bis Ende Jahr die Statuten mit den Eigentumsverhältnissen neu geregelt werden müssen. Bisher habe das mehr Fragen aufgeworfen und viele der Älpler verärgert. Um drei Jahre verlängert deshalb die Regierung die Frist.

"Die Eigentumsverhältnisse an den Alpgebäuden habe in letzter Zeit zu grosser Verunsicherung geführt, sagt Laura Bucher (SP), Vorsteherin Departement des Innern, gegenüber TVO. «Wir haben entschieden, dass wir den betroffenen Alpkorporationen verschiedene Lösungsmöglichkeiten aufzeigen wollen», sagt Bucher weiter.

Deswegen seien Musterverträge erarbeitet, Hilfsmittel erstellt und die Frist eben verlängert worden. «Sie sollen sich entscheiden können, welcher Weg für sie der Richtige ist.» Es gebe einige Korporationen, die Herausforderungen haben. Laura Bucher sagt aber: «Wir sind zuversichtlich, dass wir auch die innert dieser Frist lösen können.»

(kop)

Quelle: TVO
veröffentlicht: 10. November 2022 20:42
aktualisiert: 10. November 2022 20:42