Frauenfelder kämpfen für ihr Festival

Stephanie Martina, 6. August 2017, 11:40 Uhr
Beschwerden von Anwohnern sorgten für das vorläufige Aus des Frauenfelder Openairs «Out in the Green Garden». Doch die Veranstalter wollen nicht klein beigeben: Am Montag reichen sie bei der Stadt ihr Gesuch fürs kommende Jahr und eine Petition ein.

Mitten während der Planung musste das diesjährige «Out in the Green Garden» abgesagt werden. Wegen einer Handvoll Beschwerden von Anwohnern hat die Stadt Frauenfeld die Leitplanken für Veranstaltungen im Murg-Auen-Park angepasst. «Unter den neuen restriktiveren Bedingungen war es uns nicht mehr möglich, unser Festival durchzuführen», sagt OK-Mitglied David Nägeli.

Die Stadt habe in den Richtlinien unter anderem eine relativ kurze Aufbauzeit festgelegt. Diese stellt das «Out in the Green Garden» vor ein Problem, da sich ausnahmslos ehrenamtliche Helfer um den Aufbau kümmern. Zudem hätte das Festival, das seit Jahren jeweils rund 3000 Besucher anlockt, abends früher schliessen müssen. Auch das ein Punkt, der zwar im Interesse der Anwohner war, nicht aber in jenem der Veranstalter. Denn der grösste Umsatz für die Infrastruktur und die Künstler würde spät abends an der Bar generiert, wenn die Besucher einen Drink statt eine Limo bestellen würden. «Alles in allem war der Kompromiss der Stadt für uns sehr ungünstig», sagt Nägeli.

Petition mit 400 Unterschriften

Doch die Organisatoren wollten für die Frauenfelder Freiluftkultur kämpfen. Um Gleichdenkende hinter sich zu bringen, lancierten sie eine Petition. Gut 400 Unterschriften sind auf diese Weise zusammengekommen. «Diese geben uns etwas Rückendeckung in den Gesprächen mit der Stadt. Denn negative Rückmeldungen von Anwohnern sind häufig viel lauter als positive.»

Am Montag wollen die Verantwortlichen ihr Konzept und die Petition beim Kulturamt der Stadt Frauenfeld einreichen. Im Vorfeld hätten bereits konstruktive und vielversprechende Gespräche stattgefunden. «Wir haben ein gutes Gefühl, dass das Festival nächstes Jahr wieder in einem ähnlichen Rahmen wie bisher stattfinden kann. Ich denke, wir haben eine gute Lösung gefunden, die für die Anwohner, die Stadt und für uns stimmt», sagt Nägeli.

In Bezug auf die Anwohner greife man auf die bisherigen Mittel zurück, wie Einladungen und Gutscheine. Ausserdem werden als Kompromissvorschlag die lärmintensiven Stunden des Festivals begrenzt. Daneben wolle man auch prüfen, ob einigen Anwohnern während des mehrtägigen Festivals Hotelübernachtungen bezahlt werden sollen. «Allerdings ist die Dialogbereitschaft einiger der Anwohner leider begrenzt», bedauert der Kommunikationsverantwortliche des Festivals.

Konzerte in mehreren Gärten

Damit Frauenfeld diesen Sommer nicht ganz ohne «Out in the Green Garden» auskommen musste, sind Privatpersonen in die Bresche gesprungen und haben ihre Gärten für Konzerte zur Verfügung gestellt. Der Name des Openairs wurde deshalb kurzerhand in den Plural gesetzt: Obwohl das «Out in the Green Gardens» eine Notlösung war, ist das OK zufrieden: «Die vielen positiven Rückmeldungen und der grosse Besucherandrang haben uns sehr überrascht.» Zwischenzeitlich besuchten rund 200 Besucher die Konzerte und brachten die Gärten damit regelrecht an ihre Kapazitätsgrenzen.

«Frauenfeld braucht Freiluftkultur»

Doch auch wenn Plan B aufging, soll er einmalig bleiben. Nächstes Jahr soll wieder ein richtiges «Out in the Green Garden» stattfinden. Denn Freiluftkultur sei wichtig für die Stadt, ist der 25-Jährige überzeugt. «Anlässe wie das 'Out in the Green Garden' tragen dazu bei, dass junge Leute in Frauenfeld bleiben und nicht in eine grössere Stadt ziehen, wo mehr los ist.»

In ein bis zwei Monaten sollte definitiv klar sein, ob es ein «Out in the Green Garden» geben wird. Die Forderung von Nägeli und seinen OK-Kollegen ist klar: «Wie erwarten von der Stadt Frauenfeld, dass sie unseren Vorschlag akzeptiert»

Stephanie Martina
Quelle: stm
veröffentlicht: 6. August 2017 11:40
aktualisiert: 6. August 2017 11:40