300-Personen-Regel

Freilichtbühne Rüthi hofft auf Lockerung – «sonst müssen wir absagen»

Noémie Bont, 13. Juni 2020, 06:53 Uhr
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Quelle: FM1Today/Noémie Bont

Die Vorstellungen der Freilichtbühne Rüthi im September sind so beliebt wie noch nie. Fast alle zehntausend Tickets, selbst für die Zusatzvorstellungen, sind weg. Auch das Bühnenbild steht schon beinahe. Lockert der Bund die 300-Personen-Regel aber nicht, muss das Theater alles abblasen.

Die imposanten Bühnenbilder des Freilichttheaters in Rüthi beeindrucken weit über das Rheintal hinaus. Dieses Jahr inszeniert die Schauspielcrew, die aus über hundert Personen besteht, das Stück «Anna Göldi». Die letzte Hexe Europas, die in Sennwald, nicht weit von der Freilichtbühne entfernt, aufgewachsen ist.

Die tragische Geschichte der Rheintalerin Anna Göldi im 18. Jahrhundert scheint die Leute immer noch zu beschäftigen. Praktisch alle fünfzehn Aufführungen, inklusive Zusatzvorstellungen, sind bereits ausgebucht.

Verschiebung wäre möglich, aber teuer

Auf der Tribüne versammeln sich pro Vorstellung 600 Personen. Dies ist Stand heute wegen des Grossveranstaltungsverbots des Bundes nicht erlaubt. «Wird die 300-Personen-Regel nicht gelockert, ist es für unseren Verein nicht tragbar. Die Vorstellungen im September müssten abgesagt und auf nächstes Jahr verschoben werden. Das würde zu erheblichen Zusatzkosten führen», sagt Kuno Bont, künstlerischer Leiter der Freilichtbühne. Kuno Bont hat den Verein gegründet und das Stück «Anna Göldi» geschrieben.

Die Freilichtspiele im Rheintal stehen also auf der Kippe. Trotzdem arbeiten alle weiter fleissig an der Vorbereitung. So sieht es aktuell am Fusse des Blattenbergs aus:

Proben für Händewaschen unterbrechen

«Eine Verschiebung wäre für alle Beteiligten schlimm», sagt Regisseurin Elena Colaianni. «Die Schauspieler brennen für das Stück.» Seit einigen Tagen haben sie in 30er-Gruppen zu proben begonnen – mit Abstand natürlich. «Es ist nicht immer einfach, Abstand zu halten. Zum Glück haben wir genügend Platz und zum Glück hielt man in der Barock-Zeit, in der wir spielen, automatisch genügend Abstand zueinander», so Colaianni.

Dazu werden die Proben für kurzes Händewaschen jeweils unterbrochen. Die Schauspieler müssen ausserdem auf eine Sommerpause verzichten. Der Zeitplan wurde um Wochen verschoben.

Bühne für jede Aufführung umstellen

Nicht nur auf der Bühne auch auf der Tribüne müssen Massnahmen getroffen werden, sagt Kuno Bont. «Wir werden die Tribüne für jede Aufführung individuell gestalten. Damit eine Familie mit vier Personen nebeneinandersitzen kann. So halten wir uns an die Schutzmassnahmen, verhindern aber ein unangenehmes Ambiente. Der Aufwand ist erheblich.»

Dazu müssen auch die Besucherströme reguliert werden. «Sie müssen alle in die selbe Richtung laufen.»

So sah es 2017 aus bei der Inszenierung des «Schmugglerkönigs»:

Kuhherde und Steinfall 

Auch dieses Jahr verspricht die Freilichtbühne den Zuschauern haufenweise Überraschungen. Einige Bühnenhighlights verraten uns die Organisatoren trotzdem. «Wir sehen auf einer Kulisse Glarus und gleichzeitig Sennwald. Eine Kuhherde wird quer über die Bühne rennen und es wird ein grosser, schwerer Stein von einem Hügel runterrollen», sagt Regisseurin Colaianni. «Mehr verrate ich nicht.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 13. Juni 2020 06:53
aktualisiert: 13. Juni 2020 06:53