Gauner erleichtert Rentnerin um 25'000 Franken

Fabienne Engbers, 22. April 2019, 17:33 Uhr
Im Thurgau wurde eine ältere Frau um 25'000 Franken betrogen. (Symbolbild)
Im Thurgau wurde eine ältere Frau um 25'000 Franken betrogen. (Symbolbild)
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Ein Betrüger hat sich am Telefon als Polizist ausgegeben und so einer älteren Frau aus Amriswil rund 25'000 Franken abgeschwatzt. Die Kantonspolizei Thurgau warnt vor solchen Telefonbetrügern, die in kurzer Zeit Dutzende Anrufe tätigen.

Als «Kriminalkommissar Philipps von der Kriminalpolizei Thurgau» gab sich der Betrüger am Telefon aus, als er die Frau am Sonntag um 22 Uhr anrief. Mehr als zwei Stunden lang redete der Gauner auf die Rentnerin ein, bevor diese in seine Masche einwilligte.

Betrüger bieten Schutz vor Verbrechern

«Der Mann sagte, man habe Mitglieder einer Verbrecherbande verhaftet. Bei ihnen wurde ein Zettel mit der Anschrift der 69-Jährigen gefunden, was darauf hinweise, dass sie das nächste Opfer der Bande sein werde», sagt Daniel Meili, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau. Daher bietet der Gauner an, die Wertsachen und Bargeld der Frau an sich zu nehmen, um sie vor einem Diebstahl zu schützen. Als die Frau nach dem zweistündigen Gespräch einwilligt, kommt ein Unbekannter bei ihr in Amriswil vorbei, der sich als Zivilpolizist ausgibt und ihren Schmuck und Bargeld mitnimmt. Der Wert des Diebesguts beläuft sich auf über 25'000 Franken.

Schwierig, Betrüger zu finden

Nachdem der Betrüger ihren Schmuck und eine kleinere Summe Bargeld an sich genommen hat, schöpft die Rentnerin doch Verdacht, an der Sache könne etwas nicht stimmen. Sie versucht, die Nummer, von der aus der Räuber anrief, nochmals zu wählen. Als ihr Anruf dort nicht beantwortet wird, alarmiert sie die Polizei.

«Die Betrüger setzen ihr Opfer oft unter grossen Druck, um an ihr Ziel zu kommen, das kennt man auch von Enkeltrickbetrügern», sagt Daniel Meili. Wenn diese dann Verdacht schöpfen, ist es oft zu spät. «Es ist sehr schwierig, die Täterschaft zu ermitteln. Oft werden falsche Telefonnummern benutzt, um die Trickbetrüge durchzuführen.» Technisch ist es sehr einfach, eine andere, gefälschte Nummer auf dem Display des Angerufenen erscheinen zu lassen. Die richtige Nummer dahinter herauszufinden, ist extrem anspruchsvoll.

Betrüger rufen aus Call-Centern an

Die Zahl der Betrüge am Telefon hat in den vergangenen Jahr massiv zugenommen, hinzu kommt der seit längerem bekannte Enkeltrickbetrug, bei dem sich Betrüger als Verwandte von älteren Menschen ausgeben und sich so Zugang zu deren Vermögen verschaffen. «Oft sitzen die Betrüger im Ausland in Callcentern und telefonieren Nummern ab», sagt Daniel Meili. So werden an einem Abend Dutzende Leute in einer Region abtelefoniert.

Polizisten sprechen Schweizerdeutsch und bewahren keine Wertsachen auf

Die Kantonspolizei Thurgau gibt deshalb einige Tipps bekannt, um sich gegen Trickbetrüger am Telefon zu schützen. «Unsere Polizistinnen und Polizisten sind allesamt Schweizer Bürger oder Doppelbürger, wenn also jemand anruft und sich als Polizist der Kantonspolizei Thurgau ausgibt, wird er oder sie immer Schweizerdeutsch sprechen», sagt Meili.

Ausserdem soll man vor allem als ältere Person seinen Telefonbucheintrag ändern. Man muss nicht seinen vollen Vornamen im Telefonbuch preisgeben, oft kann man den Vornamen auch abkürzen. «Die Trickbetrüger suchen nach Vornamen, die eher auf die ältere Generation passen. Deshalb ist es vor Vorteil, den Vornamen nicht auszuschreiben. Eine alleinstehende Frau mit einem eher älteren Namen wie Elisabeth kann so vermeiden, dass sie ins Visier der Betrüger gerät.»

Fällt einem der Betrug auf, soll man den Räuber sofort darauf aufmerksam machen. «Am Telefon sagt man am besten, dass man auf diese Masche nicht hereinfällt und dass man den Betrüger durchschaut hat.»

Fabienne Engbers
Quelle: enf
veröffentlicht: 22. April 2019 17:33
aktualisiert: 22. April 2019 17:33