Gedenkfeier für Pizolgletscher geplant

Nina Müller, 21. August 2019, 10:07 Uhr
Für den «toten» Pizolgletscher ist eine Gedenkfeier geplant.
Für den «toten» Pizolgletscher ist eine Gedenkfeier geplant.
© FM1/Andreas Forster
Der Pizolgletscher bricht seit Jahren auseinander. Mit einer Fläche von 0,06 Quadratkilometer kann man nicht mehr von einem Gletscher sprechen. Für den «toten» Gletscher ist nun eine Gedenkfeier geplant.

 «Seit zwei Jahren beobachten wir am Pizolgletscher Auflösungstendenzen. Seit diesem Jahr spalten sich einzelne Teile ab, der Gletscher zerfällt», sagt Mat­thias Huss, Glaziologe an der ETH Zürich und Mitglied des Schweizer Gletschermessnetzes vergangenen September gegenüber dem «Tagblatt».

Knapp ein Jahr später ist kaum noch was übrig vom Gletscher oberhalb von Bad Ragaz. Ein Felsen ragt in der Mitte hervor, die Restgrösse des ehemaligen Eisgiganten beträgt noch 0,06 Quadratkilometer. Bei so einer kleinen Fläche kann man kaum noch von einem Gletscher sprechen.

Für Gletscher ist die Lage dramatisch

«Für Gletscher auf einer Höhenlage von rund 3000 Metern ist die Lage dramatisch. Sie wachsen oder erhalten ihre Grösse durch den Schnee, der im Winter fällt», sagt Glaziologe Andreas Bauder gegenüber «Bluewin». «Schmilzt dieser im Sommer aber komplett weg, dann ist das Ergebnis klar.» Bauder ist Forscher an der ETH Zürich und ist Teil von Glamos, des Schweizerischen Gletschermessnetzes.

Gedenkfeier geplant wie in Island

Der Verein Klimaschutz organisiert, ähnlich wie in Island, eine Gedenkfeier für den «toten» Gletscher. Dort wurde am Sonntag der erste Gletscher für «tot» erklärt und ein Mahnmahl vor dem Berg drapiert. Am 22. September soll eine gleiche Gedenkfeier auf dem Pizol stattfinden.

Nebst dem Verein Klimaschutz hilft Fastenopfer Schweiz bei der Organisation mit. Gemäss des Kampagnen-Koordinators Mischa von Arb habe die Gedenkfeier aber nichts zu tun mit der in Island. «Wir planen den Anlass seit Mai. Wir wussten nicht, dass in Island etwas ähnliches stattfinden wird», sagt er gegenüber «Bluewin».


Lage wird immer kritischer

Mit der Gedenkfeier soll auf den Klimawandel hingewiesen werden, denn dieser ist der Grund, warum der Pizolgletscher nun nicht mehr ist. Wenn nicht bald etwas geschehe, sehen die Forscher eine düstere Zukunft.

«Wir gehen davon aus, dass in 80 Jahren 80 Prozent der Schweizer Gletscher weggeschmolzen sind», sagt Glaziologe Bauder. Nur wenige der ganz grossen werden es gemäss Bauder in das nächste Jahrhundert schaffen, wenn weiter gemacht wird wie bisher.

(nm)

Nina Müller
veröffentlicht: 20. August 2019 20:27
aktualisiert: 21. August 2019 10:07