Solar-Energie

Gegen Strommangel: Schwimmende Solarzellen sollen Loch stopfen

29. Juni 2022, 06:01 Uhr
In der Schweiz fehlen grosse leere Flächen, um Solarenergie erzeugen zu können. Um diese dennoch zu fördern, möchte das Energie-Beratungs-Unternehmen «Energie-Zukunft-Schweiz» die Flächen der Schweizer Seen nutzen. In der Ostschweiz kommen der Boden- und der Walensee in Frage.
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Quelle: tvo

Im Wallis gibt es sie bereits: Schwimmende Solarzellen. Sie schwimmen auf einem Stausee. Dieses Model soll auch in der Ostschweiz umgesetzt werden, so die Vision von «Energie-Zukunft-Schweiz». Namentlich auf dem Bodensee und dem Walensee. Auf dem Bodensee sollen auf Schweizer Gebiet rund neun Quadratkilometer Solarzellen Strom produzieren. Auf dem Walensee wäre die Fläche etwa einen Quadratkilometer gross.

Einen Viertel des Bedarfs decken

Dieses Projekt sei laut Lisa Mathys, Energiewendemacherin bei «Energie Zukunft Schweiz», wichtig. «Wir müssen möglichst schnell möglichst viel Solarstrom effizient produzieren können, um die Versorgungssicherheit in der Schweiz zu gewährleisten», so Mathys gegenüber TVO. Dafür seien die Seeflächen gut geeignet. Da diese Anlagen sehr ökonomisch betrieben werden könnten, würde auch der Verbraucher am Schluss profitieren. Schweizweit sollen auf zehn Seen solche Anlagen schwimmen und damit einen Viertel des Schweizer Stromverbrauchs abdecken.

Natürliche Seen bergen Herausforderungen

Das Beispiel des Walliser Stausees zeigt, dass die Umsetzung technisch möglich ist. Es gibt dennoch Unterschiede zwischen natürlichen Gewässern und Stauseen. Die Idee sei daher mit Herausforderungen konfrontiert, so Paul Gantenbein, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fachhochschule Ost. «Man muss berücksichtigen, dass diese beiden Seen eine Mehrfachnutzung haben», so Gantenbein. Als Beispiele nennt er den Schiffsverkehr, die Fischerei, aber auch die Freizeitaktivitäten.

Natur könnte profitieren

Laut Mathys sollen die Anlagen nur so lange auf dem See schwimmen, bis an Land mehr Solarfläche geschaffen wurde. Negative Auswirkungen auf die Natur hätten die Anlagen laut Mathys keine – im Gegenteil: «Das Ökosystem könnte gar profitieren. Zum eine durch zusätzliche Nischen in den Anlagen, zum anderen durch die Beschattung.» Diese könnte die Wassertemperatur gar senken.

Doch um dies zu beweisen, benötigt es in einem ersten Schritt ein Pilotprojekt. Die Kosten für eine Umsetzung würden bei rund einer Milliarde Franken liegen – alleine für den Bodensee.

Quelle: TVO
veröffentlicht: 29. Juni 2022 06:01
aktualisiert: 29. Juni 2022 06:01
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