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Kantonsspital St.Gallen

Gegen unnötige Absenzen: Spitalpersonal muss Corona-App deaktivieren

Angela Müller, 7. Juli 2020, 16:12 Uhr
Über eine Million Schweizerinnen und Schweizer haben die Swiss-Covid-App heruntergeladen. Doch nicht für alle ist die App sinnvoll. Das Kantonsspital St.Gallen befürchtet zu viele Fehlalarme bei ihrem Personal.
Das Pflegepersonal ist bestens dafür geschult, sich während der Arbeit vor einer Ansteckung zu schützen.
© Keystone

Die Swiss-Covid-App sendet einem eine Benachrichtigung, sobald man sich zu lange in der Nähe von Corona-Infizierten aufgehalten hat. Doch es gibt Personen, die berufsbedingt mit den Infizierten zu tun haben. Pflegepersonal zum Beispiel. Und gerade während der Ferienzeit sind Absenzen besonders gefürchtet, zumal Spitäler und Pflegeheime allgemein unter Personalmangel leiden.

«Auf die Aktivierung während der Arbeit verzichten»

Das Kantonsspital St.Gallen hat deshalb die Reissleine gezogen: «Zur Vermeidung von Fehlalarmierungen empfiehlt die Spitalleitung, während der Arbeit im Spital auf die Aktivierung der Swiss-Covid-App zu verzichten», sagt Philipp Lutz, Mediensprecher des Kantonsspitals St.Gallen, auf Anfrage von FM1Today.

Das Kantonsspital St.Gallen befindet sich derzeit im Umbau, unnötige Absenzen des Personals möchte die Spitalleitung verhindern.

© FM1Today

«Die Empfehlung wurde mit den Experten für Spitalhygiene abgesprochen», sagt Lutz. Gerade das Pflegepersonal ist im Umgang mit Infizierten besonders geschult und deshalb während der Arbeit geschützt. Weil die App nicht angibt, wann und wo man in Kontakt war, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass das Pflegepersonal unnötigerweise in Quarantäne geschickt oder getestet wird.

Mitarbeitende sollen die App privat nutzen

Tatsächlich ist es nicht so, dass die Spitalleitung etwas gegen die Swiss-Covid-App hat. «Eine Erwartung, dass alle, die im Spital arbeiten, die App herunterladen, gibt es am Kantonsspital nicht. Wir finden es aber gut, wenn möglichst viele Mitarbeitende die App im privaten Alltag nutzen», sagt Lutz. Der Sprecher betont: Die Deaktivierungs-Empfehlung gilt nur für das Personal, nicht aber für Besucherinnen und Besucher.

Wie die verschiedenen Heime und Spitäler mit der Covid-App umgehen, ist ihnen selbst überlassen. Der Kanton Thurgau zum Beispiel macht keine Vorgaben. Genauere Infos gibt das Kantonsspital Thurgau gegenüber FM1Today nicht bekannt.

Kein Thema in Pflegeheimen

In Pflegeheimen wiederum stellt sich die Frage weniger. «Unsere Mitarbeitenden erhalten die Weisung bei der Anstellung, während der Arbeitszeit keine privaten Handys auf sich zu tragen», sagt Esther Helg, Vorsitzende der Geschäftsleitung der Stiftung Halden, Wohnen und Leben im Alter, in St.Gallen. Dies nicht zuletzt aus Datenschutz-Gründen aufgrund der Kameras und auch der Ablenkung. Gemäss Helg gilt diese Weisung in einem Grossteil der Pflegeheime. «Unser primäres Ziel in Sachen Covid-19 ist dafür zu sorgen, dass das Virus draussen bleibt. Deshalb gilt bei uns nach wie vor die Maskenpflicht für das Personal und die Besucher. In ihrer Freizeit appellieren wir an die Eigenverantwortung.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 8. Juli 2020 05:48
aktualisiert: 7. Juli 2020 16:12