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Rheintal

Geisterfahrer-Problem bei Oberriet? Polizei und Bund verneinen

Nico Conzett, 13. Oktober 2021, 11:26 Uhr
Zwei Vorfälle mit Geisterfahrern auf der Autobahn A13 gab es kürzlich, einer endete glimpflich, der andere führte zu einem heftigen Unfall. Gibt es bei Oberriet ein ernstzunehmendes Problem mit Geisterfahrern? Das Bundesamt für Strassen (Astra) verneint, die Polizei gibt Tipps.
Die A13 im Rheintal: Hier kam es kürzlich zu zwei Vorfällen mit Geisterfahrern.
© Tagblatt

Gleich zwei Vorfälle mit Geisterfahrern gab es auf der Ostschweizer Autobahn A13 in den letzten zehn Tagen. Einer davon führte zu einer heftigen Frontalkollision mit einem Schwerverletzten (FM1Today berichtete). Beide Male war die Strecke in der Nähe von Oberriet betroffen. Gibt es dort ein ernstzunehmendes Problem mit Falschfahrern?

Aktuell keine Massnahmen geplant

«Uns ist keine Häufung entsprechender Fälle bekannt. Ereignisse mit Falschfahrern sind zum Glück sehr selten», sagt Jérôme Jacky, Kommunikationsbeauftragter des Bundesamts für Strassen (Astra), das für den Betrieb und Unterhalt der Nationalstrassen verantwortlich ist.

Allerdings werden Vorfälle mit Falschfahrern genauso wie Unfälle registriert und ausgewertet. Sollte es an einem Ort vermehrt zu Vorfällen kommen, würde die Situation genauer überprüft und bei Bedarf Massnahmen getroffen. Das können beispielsweise mehr oder deutlichere Signalisationen oder Markierungen sein oder aber auch bauliche Massnahmen, beispielsweise eine Umstrukturierung einer Einfahrt oder die Verbreiterung der Strasse. «Jede Situation muss individuell betrachtet werden, um bei Bedarf die geeignete Lösung zu finden», so Jacky gegenüber FM1Today.

Aktuell seien nirgends Massnahmen geplant. «Da es keine Häufung entsprechender Fälle gibt, sind auch keine Anpassungen notwendig.» Jacky betont, dass man nicht nur auf Vorfälle reagieren würde, sondern in Absprache mit den Partnern, wie der Kantonspolizei, die Situation auf den Strassen auch proaktiv im Auge behalten würde.

Durchschnittlich acht Fälle pro Jahr

Also ist es Zufall, dass es gleich zwei Geisterfahrer-Fälle in den vergangenen zehn Tagen, noch dazu im gleichen Gebiet, gab? Die Daten der Kantonspolizei St.Gallen lassen darauf schliessen. Mediensprecher Hanspeter Krüsi sagt gegenüber FM1Today: «Es gibt ganz, ganz wenige Geisterfahrer gemessen an den Millionen von Fahrzeugen, die auf unseren Autobahnen unterwegs sind.»

Im Kanton St.Gallen seien seit 2016 im Durchschnitt acht Fälle pro Jahr verzeichnet worden. Bei der Hälfte der Fälle könne die Polizei intervenieren und den Fahrer oder die Fahrerin anhalten – oder aber es komme zum Unfall. In den anderen Fällen schaffe es der Geisterfahrer noch vor dem Eintreffen der Polizei zu wenden und so einer Kontrolle zu entgehen.

«Geschwindigkeit reduzieren und ganz rechts fahren»

Obwohl Geisterfahrer gemäss Kantonspolizei also selten sind, hinterlassen Meldungen über sie stets ein mulmiges Gefühl – schliesslich könnte jeder Verkehrsteilnehmer unverschuldet involviert werden. Wie reagiert man also am besten, wenn man unterwegs ist und mitbekommt, dass einem auf der gerade selbst befahrenen Strasse ein irregeleiteter Autofahrer entgegenkommt? Kantonspolizei-Sprecher Hanspeter Krüsi gibt folgenden Tipp: «Man sollte sofort die Geschwindigkeit reduzieren und ganz rechts fahren.»

Krüsi betont, dass eine Falschfahrermeldung für die Polizei ein schwieriger Einsatz ist. Die Gefahren seien sowohl für Verkehrsteilnehmende als auch für die Polizeipatrouillen sehr hoch.

So geht die Polizei vor

Kommt es zu einem entsprechenden Vorfall, sperrt die Polizei so schnell wie möglich die nächste Einfahrt, damit nicht noch mehr Autos dem Falschfahrer entgegenkommen. Anschliessend fahren die Einsatzkräfte dem Geisterfahrer mit eingeschaltetem Blaulicht und Sirene entgegen. So soll er auf seine Irrfahrt aufmerksam gemacht und anschliessend angehalten werden.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 12. Oktober 2021 17:04
aktualisiert: 13. Oktober 2021 11:26