Sennwald

Gemeinde zeigt Ex-Altersheimleiter und dessen Frau an

Angela Müller, 21. Januar 2020, 17:35 Uhr
Die Gemeinde Sennwald hat die Buchhaltung des Altersheim Forstegg gründlich überprüft.
© PD
Vier Jahre hatte der Heimleiter gebraucht, um das Altersheim Forstegg in Sennwald herunterzuwirtschaften. Die Gemeinde zögerte lange, Strafanzeige einzureichen. Ein nachträgliche Überprüfung der Buchhaltung hat sie nun umgestimmt.

Die Vorwürfe sind happig: Der heute 43-jährige Mann hatte das Altersheim Forstegg zwischen 2015 und Anfang 2019 geführt und dabei das Heim, das anfänglich über eine finanzielle Reserve von 2,4 Millionen Franken verfügte, heruntergewirtschaftet.

Während dieser Zeit hatte er auch seine Frau angestellt, die das Sekretariat geführt hatte. Am Schluss blieben noch 300'000 Franken in der Reservekasse. Die vielen Reklamationen und Lesebriefe hatte die Gemeinde lange ignoriert und nach der Kündigung des Heimleiters auch gezögert, eine Strafanzeige einzureichen. «Wir können eine Schlammschacht veranstalten, aber bekommen wir dann das Geld zurück?», fragte Gemeindepräsident Peter Kindler damals. Doch er übernahm auch voll und ganz die Verantwortung für diese Affäre, FM1Today berichtete.

Verdacht auf «Privatentnahme»

Doch nun hat der Gemeinderat seine Meinung geändert. Er schreibt, dass seit dem Amtsantritt des ehemaligen Heimleiters die Bücher nicht mehr ordnungsgemäss geführt worden waren. «Das Revisionsbüro entdeckte bei der Untersuchung zudem Hinweise auf Unregelmässigkeiten durch unbelegte Bank- und Kassenbezüge mit dem Verdacht auf Privatentnahme.» Sprich, der Heimleiter und dessen Frau werden des Diebstahls verdächtigt.

Nach dieser gründlichen Untersuchung der Geschäftsbücher hat jetzt die Gemeinde beschlossen, Strafanzeige gegen den ehemaligen Heimleiter und dessen Frau wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung (eventuell Betrug), Veruntreuung (eventuell Diebstahl), Urkundenfälschung sowie ordnungswidriger Führung der Geschäftsbücher bei der Staatsanwaltschaft einzureichen, wie die Gemeinde Sennwald am  mitteilt. Dies nachdem sich die Gemeinde mit dem Kanton beraten habe.

Gemeinde muss noch einiges bezahlen

Ende 2018 hatte der Betrag von 600'000 Franken in der Kasse gefehlt. Die Untersuchung ergab, dass der Heimleiter Lohnzahlungen in dieser Höhe nachträglich aus der Buchhaltung gelöscht und in der Debitorenbuchhaltung als offene Rechnungen verbucht hatte. 

Die Gemeinde trägt nicht nur den Verlust in der Buchhaltung des Heimes, sondern auch weitere Folgekosten, zum Beispiel für den Prüfbericht von rund 100'000 Franken.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 21. Januar 2020 18:38
aktualisiert: 21. Januar 2020 17:35