GLP im Wahlkampf nicht präsent

Marco Latzer, 13. September 2015, 05:59 Uhr
Die Ostschweizer Grünliberalen wittern im Wahlkampf eine Verschwörung. Obwohl sie in den Wirtschaftsratings gut abschneiden und zwei Sitze im Nationalrat zu verteidigen haben, erhalten sie von Firmen praktisch keine Unterstützung. Die GLP-Verantwortlichen sind frustriert über angebliche Seilschaften zu anderen Parteien.

Die Partei-Kampagnen für die National- und Ständeratswahlen am 18. Oktober gehen in die heisse Phase. Dabei ist auch viel Geld im Spiel: Rund 340'000 Franken für Wahlwerbung geben alleine die Wirtschaftsverbände in den Kantonen St. Gallen und Thurgau aus, damit ihre Favoriten liberale Interessen in Bundesbern vertreten. Nutzniesser dieser Gelder sind insbesondere die FDP, SVP und die CVP.

Nicht profitieren kann die GLP, welche von diesem Geld keinen müden Rappen zu sehen bekommt. Der Unmut bei den Grünliberalen ist gross, wie die "Ostschweiz am Sonntag" berichtet. Der Grund für die Nichtberücksichtgung sei simpel, heisst es bei den Wirtschaftsverbänden. "Die GLP wird im Kanton St. Gallen noch nicht als bürgerliche Kraft wahrgenommen", sagt Felix Keller, Geschäftsführer des St. Galler Gewerbeverbands.

"Wir werden torpediert!"

Die fehlenden finanziellen Ressourcen reduzieren die Wahlchancen der beiden bisherigen GLP-Nationalräte. Betroffen davon sind die St. Galler Patientenschützerin Margrit Kessler und ihr Thurgauer Parteikollege Thomas Böhni. Kessler nimmt dann auch kein Blatt vor den Mund und vermutet eine gezielte Benachteiligung der Grünliberalen. "Von 200 Nationalräten hat in der letzten Legislatur niemand so wirtschaftsfreundlich abgestimmt wie ich - und doch werde ich nicht zur Wahl empfohlen. Das finde ich völlig daneben", so Kessler. Die Altstätterin vermutet eine gezielte Attacke der anderen bürgerlichen Parteien: "Seit die GLP in den letzten so gut abgeschnitten hat, torpedieren uns die anderen bürgerlichen Parteien mit allen Mitteln."

Gleicher Meinung ist Kesslers Nationalratskollege Thomas Böhni. Er selbst habe schon vier Unternehmen gegründet und gelte bei den Wirtschaftsverbänden dennoch als nicht wirtschaftsfreundlich. Sein Fazit, weshalb die anderen Parteien bevorzugt werden: "Es geht hier einzig um Filz und Seilschaften innerhalb der SVP, FDP und der CVP!"

Schwierige Ausgangslage

Der GLP wird laut "Ostschweiz am Sonntag" zum Verhängnis, dass sie als junge Partei noch nicht über ein ausreichendes Netzwerk zur Wirtschaft verfügt. Zudem würden bei den Wirtschaftsverbänden traditionell die historisch etablierten Parteien privilegiert. Ein Abweichen dieser Praxis steht momentan nicht im Raum. Und dies bereitet den Grünliberalen in den letzten Wochen vor dem Wahltermin umso mehr Kopfzerbrechen. Die beiden Sitze von Margrit Kessler und Thomas Böhni im Nationalrat gelten als stark gefährdet.

Marco Latzer
Quelle: MLA
veröffentlicht: 13. September 2015 05:58
aktualisiert: 13. September 2015 05:59