Chur - Maladers

Autostöpple 2.0: Die Mitfahrgelegenheit auf dem Land

10. Dezember 2019, 14:36 Uhr
Erfinder und Taxito-Geschäftsführer Martin Beutler. (Archiv)
© Keystone Urs Flüeler
Statt Autostopp nutzt man heute Mitfahrgelegenheiten. In der Region Chur wird mit dem Fahrplanwechsel des öffentlichen Verkehrs am Sonntag erstmals das Mitfahrsystem Taxito zum Einsatz kommen. Auch aus der Ostschweiz soll es Interessenten geben.

Leute, die in eher abgelegenen Gegenden wohnen, kennen es: Der Bus oder das Posti kommt gefühlt nur jedes Schaltjahr vorbei. Gewiss, ganz so schlimm ist es nicht, trotzdem: Genau dann, wenn man eine Mitfahrgelegenheit bräuchte, kommt kein Bus.

Taxito will hierfür Abhilfe schaffen. Mit einem einfachen Mitfahrsystem. Wer eine Mitfahrgelegenheit braucht, stellt sich an eine Taxito-Haltestelle und gibt via SMS seinen gewünschten Zielort ein. Dieser erscheint dann auf einem Screen, ähnlich der Tafel einer Haltestelle. Nun kann jeder Autofahrer anhalten und die Person an den gewünschten Ort mitnehmen. Sicherheitshalber wird vor der Fahrt das Nummernschild fotografiert und wiederum via SMS an Taxito geschickt und los geht's. 

Mit solchen Solarbetriebenen-Screens macht man die Autofahrer auf sich und den gewünschten Zielort aufmerksam.

© Keystone/Urs Flüeler

Erste Taxito-Strecke im FM1-Land

Nun wird das Taxito-System erstmals auch im FM1-Land eingeführt. Und zwar auf der Strecke zwischen Maladers und Chur. Es ist ein Pilotprojekt. Die Strecke eignet sich laut Kanton Graubünden, weil die ÖV-Anbindung an Chur eher schlecht, die Strasse gleichzeitig aber viel befahren ist. «Die Leute sollen sich gegenseitig helfen, wie das im ländlichen Raum eigentlich Tradition hat», fasst Martin Beutler, Taxito-Gründer und Geschäftsführer, die Idee zusammen.

Bis jetzt gibt es das Taxito-System an mehreren Orten in der Innerschweiz und in einer Region in der Westschweiz. «Zweieinhalb bis drei Minuten wartet man im Durchschnitt auf eine Mitfahrgelegenheit», sagt Beutler. Je schlechter das ÖV-Angebot sei, umso eher werde Taxito genutzt. In der Innerschweiz gab es 2018 knapp 900 Fahrten. «Die Rückmeldungen sind positiv», versichert Beutler.

Es soll Interesse aus der Ostschweiz geben

«Im Januar verdichtet die Gemeinde Luthern im Kanton Luzern ihr Netz und im Laufe des Jahres werden in Aargau, Luzern, im hinteren Emmental und im italienischen Bormio neue Netze geplant und aufgebaut», so Beutler. Ob auch in der Ostschweiz bald eine Taxito-Tafel zusehen ist, ist unklar. «Ich habe gehört, dass in der Ostschweiz Interesse besteht, aber eine konkrete Anfrage bekamen wir noch nicht», sagt der Taxito-Gründer. 

Eine Fahrt für zwei Franken

Eine Fahrt mit Taxito kostet zwei Franken. Diese werden direkt über die Handyrechnung abgebucht. Ein Franken geht an Taxito, den anderen kann sich die Fahrerin oder der Fahrer gutschreiben lassen, sofern man sich registriert. Ansonsten finanziert sich Taxito über Beträge von den Kantonen und Gemeinden. Taxito erhält diese für die Vermietung oder den Verkauf und Betrieb der Tafeln. 

(red.)

 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 10. Dezember 2019 14:36
aktualisiert: 10. Dezember 2019 14:36