Infizierte Partygruppe

Bündner Kantonsärztin: «Nicht alle sind ehrlich mit uns»

29. Juni 2020, 17:55 Uhr
Marina Jamnicki ist seit diesem Jahr Kantonsärztin von Graubünden.
© pd
Bei Partyferien in Belgrad haben sich sechs Bündner mit dem Coronavirus infiziert. Nun sind über 70 Personen in Quarantäne. Einige weitere könnten hinzukommen, wie die Bündner Kantonsärztin Marina Jamnicki sagt.

Zehn junge Männer verbrachten kürzlich Partyferien in der serbischen Hauptstadt Belgrad, sechs von ihnen wurden nach der Rückkehr in die Heimat Graubünden positiv auf das Coronavirus getestet. Nun befinden sich 73 Personen in Quarantäne. «Wir haben alle positiv Getesteten nach ihren Kontakten befragt», erklärt Marina Jamnicki, Kantonsärztin des Kantons Graubünden, gegenüber FM1Today. In Quarantäne muss, wer sich während fünfzehn Minuten näher als anderthalb Meter zur erkrankten Person befand.

App kam zu spät

«Es kommen laufend neue Kontaktpersonen hinzu, weil nicht alle von Anfang an ehrlich zu uns waren», sagt Jamnicki. Immer wieder würden sich etwa Personen aus dem Arbeitsumfeld beim Kanton melden, die ebenfalls nahen Kontakt zu den Infizierten hatten. «Wir mussten den positiv Getesteten dann eindringlich erklären, dass es sehr wichtig sei, alle Kontaktpersonen zu nennen.» Die neue Swiss-Covid-App hätte das Contact Tracing laut der Kantonsärztin unterstützen können, diese sei aber gerade etwas zu spät auf den Markt gekommen.

«Leute waren nicht sehr verantwortungsvoll»

Der Kanton müsse sich nun «genau überlegen», wie er künftig mit Partys umgehen wolle. «In Chur und in ganz Graubünden fanden am Wochenende sehr viele Partys statt und die Leute waren nicht sehr verantwortungsvoll», sagt Jamnicki. Zu konkreten Massnahmen will sie noch nichts sagen, auch nicht zur geforderten Maskenpflicht oder zur Wiedereinführung des Veranstaltungsverbots. «Das liegt nicht in meiner Kompetenz.»

Per Ende August hätten Jamnicki und der Corona-Führungsstab ein Konzept für eine zweite Welle vorlegen sollen. «Nun hat das Ganze eine gewisse Brisanz bekommen, das Konzept ist schon fast druckreif und wird in den nächsten Tagen veröffentlicht.»

(dab/lag)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 29. Juni 2020 19:20
aktualisiert: 29. Juni 2020 17:55