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Bund nicht einverstanden mit Sprengung des Castielerviadukt

Rhätische Bahn

Bund nicht einverstanden mit Sprengung des Castielerviadukt

· Online seit 11.06.2024, 17:11 Uhr
Mitte Mai wurde das Castielerviadukt gesprengt. Das alte Viadukt wies Materialschäden auf und musste ersetzt werden. Doch nun kommt heraus: Die Sprengung war nicht korrekt bewilligt. Das Bundesamt für Verkehr fordert nun weitere Abklärungen der RhB.
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Mittlerweile rollen die Züge der RhB wieder zwischen Chur und Arosa. Und zwar über das neue Castielerviadukt. Das alte Bauwerk wies Schäden auf und musste darum weichen. Dafür wurde es zurückgebaut und die Pfeiler gesprengt. Und genau wegen dieser Sprengung erhielt die RhB nun Post vom Bundesamt für Verkehr (BAV), wie es in einer Mitteilung heisst.

Quelle: Tele M1 / GU Sprengtechnik AG / CH Media Video Unit / Linus Bauer

Bund wusste nichts von Sprengung

Das BAV ist der Ansicht, dass der Rückbau des alten Viadukts mittels kontrollierter Sprengung eine Projektänderung darstellt, welche durch das Amt im Rahmen des Plangenehmigungsverfahrens hätte bewilligt werden müssen. Die RhB hatte im bei Bund eingereichten Projekt nämlich noch auf eine Sprengung verzichtet.

Das BAV verlangt deshalb von der RhB, dass sie die Auswirkungen der Sprengung auf die Umwelt abklärt und dem Amt den Bericht zukommen lässt. Aufgrund der Intervention des BAV hat die RhB nun eine weitere unabhängige Umweltexpertin damit beauftragt, die Auswirkungen der Sprengarbeiten, in Zusammenarbeit mit dem kantonalen Amt für Natur und Umwelt, nochmals zu beurteilen.

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Hat die RhB also einfach wild drauflos gesprengt? Nein. Das Unternehmen hatte die Sprengung vorgängig mit den zwei betroffenen kantonalen Stellen, dem Amt für Jagd und Fischerei und der Abteilung Wasserbau des Tiefbauamtes, abgeklärt, sagt Christian Florin, Leiter Infrastruktur der RhB, gegenüber FM1Today. Diese hatten der Sprengung zugestimmt. Das Hauptargument der RhB für die Sprengung: Die Arbeitssicherheit ist höher als bei einem normalen Rückbau.

RhB anerkennt eigenen Fehler

Florin ist überzeugt, dass die Entscheidung zur Sprengung die richtige war. Er sagt aber auch: «Wir haben das OK des BAV nicht abgeholt. Das war ein Fehler.» Man habe sich nur auf die kantonalen Ämter abgestützt, weil diese Amtsstellen dies auch fachlich im Rahmen des ordentlichen Verfahrens beurteilt hätten. Der Entscheid des Bundes wurde so vorneweggenommen.

Laut Florin könnten der RhB auch noch Konsequenzen drohen. Im schlimmsten Fall könnte ein Strafverfahren samt Busse drohen. Davon geht Florin aber nicht aus. Er betont, dass der Bund erst ein Verfahren prüfe, aber noch keines eingeleitet habe. Zudem kooperiere man zu hundert Prozent und habe auch bereits einen ersten Bericht eingereicht.

Altes Viadukt bekommt neues Leben

Das Material des alten Viadukts bleibt übrigens nicht einfach liegen. Wie bereits vor Baubeginn geplant, werden die Materialien aus dem alten Viadukt für die Erneuerung der Bachsperren im Castielertobel wiederverwendet.

Damit können diverse Transporte in das abgelegene Tobel vermieden und die Natur geschont werden. Das Brückenprojekt soll Ende Jahr abgeschlossen sein, die Erneuerung der Bachsperren sollen ein Jahr später abgeschlossen sein.

veröffentlicht: 11. Juni 2024 17:11
aktualisiert: 11. Juni 2024 17:11
Quelle: FM1Today

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