Coronavirus

«Das schmerzt sehr» – Engadin Skimarathon abgesagt

Laurien Gschwend, 14. März 2020, 19:43 Uhr
Tausende Langläufer auf einen Haufen, das ist laut dem Bündner Gesundheitsamt beim aktuellen Coronavirus zu gefährlich. (Archivbild)
© Keystone
Im Kanton Graubünden sind zwei Kinder am Coronavirus erkrankt. Um eine schnelle Weiterverbreitung zu vermeiden, hat das Gesundheitsamt vorsorglich alle Grossveranstaltungen im Engadin abgesagt – davon betroffen ist auch der Engadiner Skimarathon.

Zwei Kinder einer italienischen Familie, die derzeit Ferien im Oberengadin macht, sind positiv auf das Coronavirus getestet worden. Es sind die ersten bestätigten Fälle des FM1-Landes, zuvor waren ein Mann im Tessin und ein Mann in Genf am neuartigen Virus erkrankt. Mittlerweile gibt es auch je einen bestätigten Fall in Zürich und im Aargau.

Die Kinder zeigen laut dem Kanton Graubünden Coronavirus-Symptome, ihnen gehe es den Umständen entsprechend aber gut. Sie sind in einem Spital isoliert, ebenso wurden vier Kontaktpersonen unter Quarantäne gesetzt. Nähere Angaben will Regierungsrat Peter Peyer aus Persönlichkeitsschutzgründen nicht machen.

«Befürchtung weiterer Fälle ist da»

Aktuell gibt es in Graubünden über 20 Verdachtsfälle auf das Coronavirus, deren Ergebnisse noch ausstehen. «Es ist natürlich die Befürchtung da, dass diese Zahl weiter ansteigt», sagt Peyer. Der Kanton habe die Situation aber im Griff und sei für weitere Krankheitsfälle gerüstet.

Peter Peyer, Leiter Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit (DJSG)

© FM1Today/Laurien Gschwend

«Sehr bedauerlich» sind laut Regierungsrat Peyer die Massnahmen, welche das Gesundheitsamt ergreifen musste. Schulklassen dürfen keine Ausflüge mehr machen. In den Regionen Maloja, Bernina, Engiadina Bassa/Val Müstair und Moesa wurden alle Grossveranstaltungen bis und mit 8. März abgeblasen – davon betroffen sind etwa die Fasnacht im Calancatal, grössere Chalandamarz-Umzüge und, am prominentesten, der Engadin Skimarathon.

«Die ganze Marathonwoche mit fünf Anlässen und 17'000 Teilnehmern absagen zu müssen, schmerzt uns sehr», sagt Christian Gartmann, Skimarathon-Medienbeauftragter und Mitglied des Krisenstabs. Aber: «Wir stützen die Entscheidung des Kantons. Die Gesundheit der Teilnehmer und Helfer steht über der Durchführung der Sportveranstaltung.»

Christian Gartmann, Sprecher Engadin Skimarathon
© FM1Today/Laurien Gschwend

Die Absage des «Engadiners» aufgrund einer Krankheit ist eine Premiere, zuvor konnte er einmal wegen des Wetters nicht stattfinden. «Für uns geht es jetzt zurück auf null, wir müssen alle Bauten zurückbauen. Viele freiwillige Helfer hatten extra Ferien genommen, jetzt war das für nichts.»

Genügend Rücklagen

Die Läuferinnen und Läufer wurden am Donnerstag über die Absage informiert und erhalten in den nächsten Tagen einen Teil des Startgeldes von 100 Franken zurück. Auf welchen Kosten die Teilnehmer sitzen bleiben, kann Gartmann noch nicht sagen. «Wir müssen zuerst abklären, welche finanzielle Bedeutung die Absage hat.» Fest stehe allerdings schon heute: Die Existenz des «Engadiners» sei nicht gefährdet, der Skimarathon habe genügend Rücklagen aus den vergangenen Jahren.

«Händewaschen, Händewaschen und Händewaschen», diesen Tipp gibt wie auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) die Bündner Kantonsärztin Marina Jamnicki. Wer Symptome zeige, solle sich zuerst telefonisch beim Hausarzt melden und werde anschliessend entweder daheim oder im Spital isoliert. Der Bund hat eine Infoline eingerichtet: +41 58 463 0000.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 27. Februar 2020 17:04
aktualisiert: 14. März 2020 19:43