Der «Party-Verderber» rechtfertigt sich

Lara Abderhalden, 27. Oktober 2016, 12:05 Uhr
Die Bolgen Plaza Après-Ski-Bar in Davos muss ihre Türen früher schliessen, dies, weil sich ein Zweitwohnungsbesitzer wegen des Lärms der Bar beklagt hat. Die frühe Schliessung hat für heftige Diskussionen gesorgt. Nun nimmt der Kläger Stellung. Er sei nicht der Einzige, dem der Lärm zusetzt.
Das Bolgen Plaza in Davos muss schon um 19.00 Uhr schliessen.
© KEYSTONE/Martin Ruetschi

Bereits um 19.00 Uhr wird in der Bolgen Plaza in Davos keinen Kaffee Lutz oder Schümli Pflümli mehr ausgeschenkt. Kurt Compagnoni, ein Zweitwohnungsbesitzer, hat vor Bundesgericht erzwungen, dass die Lichter in der Après-Ski-Bar früher gelöscht werden müssen.

Das Urteil wurde letzte Woche bekannt und hat für viel Entsetzen gesorgt. Compagnoni wurde als «Tourismus-Verhinderer» bezeichnet. Viele konnten und können den Entscheid nicht verstehen und äusserten sich gegen den Kläger.

Mieter haben sich beklagt

Dieser hat nun in der «Davoser Zeitung» Stellung genommen. Er sei für den Tourismus, heisst es dort. Trotzdem wolle er nicht, dass hart arbeitende Menschen, die eine Wohnung mieten, um den Schlaf gebracht werden. Und damit sei er nicht der Einzige. Compagnoni besitzt mehrere Ferienwohnungen: «Einige Mieter haben wegen des Lärms eine Mietreduktion verlangt», deshalb habe er ihnen versichert, für sie zu kämpfen und die Sache mit dem Lärm in Ordnung zu bringen.

Einvernehmliche Lösung gescheitert

«Das Bundesgericht hat nun entschieden, dass das Bolgen Plaza kein rechtsfreier Raum ist und sich dessen Besitzer - die Bergbahnen - an die geltende Rechtsordnung halten müssen.» Lange hätten die Bahnen versucht, den Entscheid abzuwenden. Bereits 2012 habe das Bundesgericht entschieden, dass der Abend- und Nachtbetrieb des Bolgen Plaza nicht mit dem Raumplanungsrecht vereinbar sei. «Gemeinsam mit der Gemeinde Davos hat man damals versucht, eine einvernehmliche Lösung zu finden.»

Dieser Versuch sei aber schon nach der ersten Sitzung gescheitert. Schon damals seien die Bergbahnen darauf aufmerksam gemacht worden, dass die Sache für das Bolgen Plaza schlecht ausgeht, sollte das Bundesgericht darüber entscheiden.

Seit dem Entscheid erfährt Kurt Compagnoni eine Menge Hass und Aggressionen. Dabei begrüssen, seiner Meinung nach noch, auch viele andere den Entscheid des Bundesgerichtes: «Glauben Sie, dass jemand noch den Mut hat, sich hinzustellen und zu sagen, er finde den Lärm unzumutbar?» Er habe es getan und die Konsequenzen müssen er und seine Familie im Moment hautnah erleben.

(red.)

 

Lara Abderhalden
veröffentlicht: 27. Oktober 2016 12:04
aktualisiert: 27. Oktober 2016 12:05
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