Graubünden

Der Ranger vom Palpuogna-See

Stefanie Rohner, 4. September 2019, 15:44 Uhr
Satte Farben, der türkisfarbene See und die Berge im Hintergrund: Der Palpuogna-See in Graubünden ist ein beliebtes Ausflugsziel, das immer mehr Besucher anlockt. Nun soll ein Ranger die Arbeit aufnehmen und nach dem Rechten schauen.

Die frische Bergluft und das schöne Panorama von See und Bergen zieht viele Wanderer und Gäste an den Palpuogna-See. In den letzten paar Jahren sind diese Besucherzahlen gestiegen.

Unter anderem wohl deshalb, weil der See 2007 in einer Umfrage von SRF zum schönsten Fleck der Schweiz gekürt wurde, was ihn bekannter gemacht hat.

Der See, der direkt an der Albulapassstrasse liegt, ist zwar laut dem Geschäftsführer des Naturparks Parc Ela nie ein Geheimtipp gewesen: «Es war schon immer ein beliebtes Fotomotiv, das ist nichts Neues», sagt Dieter Müller.

«Vom Gefühl her hat es mit Instagram zu tun»

Neu sei aber die Reichweite, welche die Fotos heute hätten. Auf Instagram gibt es über tausend Fotos des Palpuogna-Sees. Die Spiegelung ist beeindruckend, kein Wunder also, dass ein Besuch dort auf Instagram festgehalten wird. 

«Die zunehmende Beliebtheit hat vom Gefühl her schon mit Instagram zu tun, belegen lässt sich das aber nicht», sagt Luzi Schutz, Gemeindepräsident von Bergün Filisur.

Er sagt, es gebe keine genauen Zahlen darüber, wie viele Besucher an Spitzentagen am See sind. «Die Einheimischen sagen, es hat mehr Gäste als in den Jahren zuvor», sagt Schutz.

Von «Overtourism» könne man noch nicht sprechen, meint Müller. «Das Potential dazu ist aber vorhanden, deswegen möchten wir jetzt schon Massnahmen treffen.»

Mit der steigenden Besucherzahl, so Schutz, seien nun auch weniger erwünschte Dinge aufgetreten, deswegen soll ab Montag ein Ranger vor Ort nach dem Rechten schauen. Doch nicht nur das: Er soll die Besucher auch informieren und sensibilisieren. Gleichzeitig wird ein Nutzungskonzept für den See erarbeitet.

Laut dem Regionaljournal SRF Graubünden handelt es sich um ein Pilotprojekt für das 10'000 bis 15'000 Franken budgetiert wurden. 

Chaos durch Autos

«Der Ranger, Leo Tempini, kennt die Region in- und auswendig, weswegen er den Besuchern viel über den See und die Umgebung erzählen kann», sagt Müller. Doch nicht nur sein Wissen soll den neuen Besucherzahlen gerecht werden. «Er kann uns so auch sagen, wo die Probleme liegen und an was es fehlt», sagt Müller.

Fehlen tut es derzeit vor allem an zwei Dingen: «Uns beschäftigt, dass die vielen Autos zu chaotischen Situationen führen – denn es gibt nur wenige Parkplätze. Zudem fehlt es an sanitären Anlagen, was die Leute dazu bringt, ihr Geschäft im Wald zu verrichten», sagt Schutz.

Bäume fällen für die Grilladen

Mit Littering habe man keine Probleme, die meisten der Besucher nehmen ihren Abfall wieder mit. Vereinzelt komme es aber vor, dass Touristen kleinere Bäumchen fällen oder Äste von Bäumen sägen, um Brennholz für die Grilladen zu haben.

«Dem haben wir schon länger entgegengewirkt, indem wir Brennholz zur Verfügung gestellt haben. Manche der Besucher wollen dieses aber nicht zum See tragen», sagt Schutz. 

Er sagt, es passiere nicht ständig, dass die Bäume angesägt werden. «Die Wälder werden nicht abgeholzt, so ist es nicht», sagt Schutz.

Das Moor und die Wiese leiden aber darunter, wenn zu viele Menschen am selben Ort durchlaufen. «An gewissen Stellen sind Moor und Trockenwiese sehr empfindlich. Wenn sich die Leute besser verteilen, ist es nicht so schlimm», so Schutz.

Dieter Müller bestätigt, dass man geprüft habe, wo die Lebensräume der verschiedenen Arten am empfindlichsten seien. So können dort, wo die Flachmoore leiden, Holzwege gebaut werden.

Im Herbst noch beliebter

Im Nutzungskonzept, das erarbeitet wird, sollen verschiedene Punkte festgelegt werden, beispielsweise wie man das Parkplatz- und WC-Problem lösen könnte. Mit einem Infrarotzähler können nun auch die Besucherzahlen festgestellt werden. Zudem soll festgehalten werden, wie die bestehende Nutzungen künftig aussehen soll. 

«Wir haben immer wieder mal Hochzeitsapéros am See. Bislang haben wir diese separat bewilligt. Nun wollen wir festlegen, wie die Rahmenbedingungen für solche Veranstaltungen aussehen», sagt Schutz.

Mit dem Ranger werden nun in den kommenden zwei Monaten Erfahrungen gesammelt und man versucht herauszufinden, an welchen Tagen und zu welchen Zeiten es sinnvoll ist, einen Ranger an den See zu schicken. 

«Gerade im Herbst ist der See noch beliebter, da sich die Bäume verfärben und die Spiegelung des Sees nochmal anders wirkt», sagt Schutz. 

Dass ein Ranger seine Arbeit aufnimmt, komme bei den Einheimischen gut an, sagt Müller. Man sei froh, jemanden aus der Gegend dort oben zu haben.

Freude über Beliebtheit gross

Der Gemeindepräsident freut sich grundsätzlich aber sehr darüber, dass der See so beliebt ist. «Wir sehen es nicht negativ, dass die Gäste zu uns in die Region kommen und den See geniessen. Wir wollen mit dem Projekt einfach dafür sorgen, dass die Leute weiterhin die schöne Natur geniessen können – wir wollen die Schönheit erhalten», sagt Schutz. 

Und er ist sich sicher: Wenn jeder Rücksicht nimmt auf die Natur und sich so verhaltet, wie man dies in der Natur macht, dann sei es überhaupt kein Problem, dass am Palpuogna-See nun etwas mehr Gäste sind. 

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 4. September 2019 15:55
aktualisiert: 4. September 2019 15:44