«Es braucht eine Regulierung»

Die Grenzen im Umgang mit dem Wolf sind in Graubünden erreicht

Mauro Lorenz, 31. August 2022, 05:38 Uhr
In Klosters hat ein Wolfspaar über den Sommer mehr als 60 Schafe gerissen. Der Kanton Graubünden hat reagiert und einen Einzelwolf zum Abschuss freigegeben. Eine Situation, an die wir uns gewöhnen müssen, meint der Jagd-Inspektor Adrian Arquint und fordert eine Revision des Jagdgesetzes.
Über 80 Wölfe wurden in Graubünden über die letzten zwei Jahre nachgewiesen. (Archivbild)
© Keystone/MARCO SCHMIDT
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«Die Anzahl der Wölfe verdoppelt sich alle zwei bis drei Jahre, das kennen wir aus anderen Ländern und das geschieht jetzt auch in der Schweiz», sagt der Bündner Jagd und Fischerei-Inspektor Adrian Arquint. Über 80 Wölfe wurden in den letzten zwei Jahren alleine in Graubünden festgestellt. Damit ist der Bergkanton das Schweizer Epizentrum für die Verbreitung der Raubtiere.

Verbreitung geht munter weiter

Ein Ende der Ausbreitung ist nicht in Sicht. Die Natur würde weit mehr Wölfe in der Region dulden. «Natürlich einpendeln wird sich die Population nicht so schnell. Es ist zu erwarten, dass sich die Wölfe im gleichen Tempo weiter verbreiten», sagt Arquint.

Würde also bedeuten, dass in drei Jahren schon knapp 200 Wölfe in Graubünden leben könnten. «Wo genau die Grenze der ökologischen Tragfähigkeit erreicht wird, wissen wir schlicht nicht», so der Arquint.

Regulierung die einzige Lösung?

Ein Zusammenleben zwischen Mensch und Wolf wird in Zukunft unumgänglich. Dazu allerdings brauche es neue Regelungen, ist Arquint überzeugt: «Es braucht eine gesetzliche Voraussetzung für eine stärkere Regulation, ohne den Bestand dabei zu gefährden. Das kennen wir auch bei anderen Wildtieren.» Also eine Revision des Jagdgesetzes, wie sie etwa vor zwei Jahren vom Stimmvolk abgelehnt wurde.

Die politischen Diskussionen rund um das Jagdgesetz sind seither munter weitergegangen. Bis allerdings eine solche Revision durchgesetzt wird, könnten Jahre vergehen. Das ist auch dem Jagdinspektor bewusst: «Es ist wichtig, dass wir einen Sollbestand definieren, der die Sicherung der Art garantiert. Über diesen Sollbestand brauchen wir aber die Möglichkeit, flexibler und effizienter zu regulieren.»

Wie hoch diese Untergrenze des Wolfbestands sein soll, lässt Arquint offen.

Die Grenzen sind vielerorts erreicht

Obwohl die Natur noch mehr Wölfe ertragen würde, sind die menschlichen Grenzen an vielen Stellen erreicht. «In der Landwirtschaft, dem Herdenschutz und auch im Wolfsmanagement stossen wir an die Grenzen», sagt Arquint. Auch für das Amt für Jagd und Fischerei wird die Arbeit mit immer mehr Wölfen nicht einfacher. «Die Tiere sind über den ganzen Kanton verteilt, somit auch das Potenzial der Konflikte. Das bringt auch unser Personal an die Grenzen», so der Bündner. Wichtig sei es dabei aber zu betonen, dass es auch viele Wölfe gibt, die sich unproblematisch verhalten.

Risse auf geschützte Tiere nehmen zu

Mit einer grösseren Anzahl an Tieren steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne «Problemwölfe» darunter sind. «Entsprechend ist es nicht überraschend, dass es jährlich mehr Übergriffe auf Nutztiere gibt», so der Jagd-Inspektor. Besorgniserregend sei vor allem die Zunahme von Übergriffen auf geschützte Tiere und Tiere der Rindergattung: «Mittlerweile weiten sie sich auf das gesamte Kantonsgebiet aus.»

Die Jagd könnte den Wolf einschüchtern

Immerhin könnte die Hochjagd in Graubünden bald für eine Entspannung sorgen. Diese startet traditionell im September. «Die Schüsse und die Jäger, die durch die Wälder laufen, könnten den Wolf etwas einschüchtern. Es ist aber sehr schwer, dies zu prophezeien», sagt Arquint.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 31. August 2022 05:38
aktualisiert: 31. August 2022 05:38