Graubünden

Einmal quer durch die Stadt: Wolf in Chur gesichtet

Nico Conzett, 16. Dezember 2021, 13:52 Uhr
Gleich von drei Augenzeugen wurde am vergangenen Montagmorgen ein Wolf beobachtet – mitten in der Stadt Chur. Aussergewöhnlich ist das nicht, heisst es beim Bündner Amt für Jagd und Fischerei. Gefährlich ist eine solche Begegnung nur, wenn der Wolf keine Scheu zeugt. Das war beim Vorfall diese Woche nicht der Fall.
Der Wolf, den Augenzeugen in Chur gesehen haben, war sehr scheu.
© Keystone (Symbolbild)

Die drei Augenzeugen dürften sich eben genau diese gerieben haben, als sie am Montag frühmorgens in Chur unterwegs waren. Im Gegensatz zur vermeintlichen Wolfssichtung auf dem Hohen Kasten vergangene Woche, handelte es sich in der Graubündner Kantonshauptstadt tatsächlich um einen echten Wolf, wie das Bündner Amt für Jagd und Fischerei (AJF) bestätigt.

Einmal quer durchs Rheinquartier

Den Berichten zufolge ist der Wolf um 5 Uhr früh zuerst an der Kreuzung Arellastrasse-Scalettastrasse unterwegs gewesen, anschliessend in Richtung Giacomettistrasse geflüchtet und später an der Kreuzung Pulvermühlenstrasse-Ringstrasse gesichtet worden. Dort lief er in Richtung Rheinfelsstrasse. Zuletzt trottete er entlang der Bahngleise beim Einkaufszentrum City West in südwestliche Richtung.

Die Augenzeugen beobachteten den Wolf jeweils auf kurze Distanz und beschieben diesen als scheu. Der Wolf dürfte innert weniger Minuten die Stadt durchquert haben, so die Einschätzung des kantonalen Amts.

Verschiedene Gründe für den Wolfsbesuch möglich

Dass ein Wolf bewohnte Gebiete durchquert, ist indes nichts Spezielles. «Wo Wölfe leben, werden diese gelegentlich in Siedlungen beobachtet, so auch in städtischen Gebieten», schreibt das AJF. Zuletzt sei am 10. Dezember in Landquart ein Wolf gesichtet worden. Auch bei dieser Beobachtung habe sich der Wolf scheu verhalten.

Dass sich Wölfe in Siedlungen vorwagen, hat verschiedende Gründe. Einerseits kann es sein, dass sie Gerüche wahrnehmen und auf der Suche nach Essbarem in bewohnte Gebiete kommen, wie Arno Puorger, Spezialist für Grossraubtiere beim kantonalen Amt, erklärt. «Weiter kann es sein, dass Jungwölfe, die erst erfahren müssen, was Siedlungen überhaupt sind, auftauchen.» Diese seien neugieriger als die ausgewachsenen Wölfe. Und zuletzt kann es auch sein, dass Hunde für den Wolfbesuch verantwortlich sind. «Es ist möglich, dass eine läufige Hündin das Interesse eines Wolfs weckt», erklärt Puorger.

In aller Regel ungefährlich für den Menschen

Gefährlich ist ein Wolfbesuch im Dorf oder der Stadt für gewöhnlich nicht. «Einzig, wenn er sich bedrängt fühlt und keinen Fluchtweg mehr sieht, kann es sein, dass ein Wolf eine Abwehrreaktion zeigt», sagt Puorger.

Da die Wahrscheinlichkeit einer Begegnung mit dem Grossraubtier durchaus vorhanden ist, gibt es einige Verhaltensregeln, die das AJF auf einem Merkblatt zusammengetragen hat. Besonders wichtig: Ruhe bewahren. Wer plötzlich einem Wolf gegenübersteht, sollte ruhig stehen bleiben und warten bis man vom Wolf bemerkt wird. Dann zieht sich dieser in der Regel zurück oder flieht. Sollte er das nicht umgehend machen, gilt es weiterhin Ruhe zu bewahren und mit bestimmter Stimme auf sich aufmerksam zu machen – anschliessend sollte man sich selbst langsam zurückziehen.

Problematisch, wenn ein Tier die Scheu verliert

Problematisch seien Wolfssichtungen in Siedlungsnähe dann, wenn gehäuft die gleichen Tiere auftauchen. «Wölfe dürfen sich nicht an die Nähe des Menschen gewöhnen und ihn beispielsweise mit Futter in Verbindung bringen», sagt Puorger. Zeigt ein Wolf zu wenig Scheu, kommt es eher zu gefährlichen Situationen. Dann kann eine Intervention – beispielsweise eine Vergrämung oder ein Abschuss – nötig werden. Der Abschuss sei aber immer die letzte Massnahme.

Beim Wolf, der kürzlich durch das Rheinquartier spaziert ist, besteht derzeit aber kein Anhaltspunkt, dass er zuviel menschliche Nähe suchen würde, so Puorger.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 16. Dezember 2021 13:02
aktualisiert: 16. Dezember 2021 13:52
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