«Mundaun»

Horror-Game über Bündner Dorf stürmt die Charts

3. Mai 2021, 07:26 Uhr
Über sechs Jahre hat der Luzerner Michel Ziegler das Videospiel «Mundaun» entwickelt. Vor eineinhalb Monaten kam das Ein-Mann-Projekt auf den Markt und begeisterte die Gamer-Szene auf Anhieb. Wieso ein handgezeichnetes Horror-Game aus der Schweiz die Massen derart entzücken kann, erklärt eine Expertin.

Die Handlung des Videospiels «Mundaun» spielt in den Schweizer Bergen, genauer gesagt im gleichnamigen Bündner Dorf bei Obersaxen. Die meisten Schauplätze gibt es tatsächlich – so beispielsweise auch die Kapelle, die Michel Zieglers allererstes Modell für das Spiel war. Soweit so unspektakulär.

Doch nun kommt das aussergewöhnliche: Jeder Charakter, jede Szene und sogar die Umgebungsstrukturen des Videospiels hat der Luzerner Game-Entwickler mit Bleistift gezeichnet und anschliessend ins Spiel übertragen. Sämtliche Dialoge sind auf Rätoromanisch und werden untertitelt. Zudem hat Ziegler das Spiel in Eigenregie entwickelt. Kein Wunder, dauerte der Prozess mehr als sechs Jahre.

Lobende Worte der «Washington Post»

Mitte März kam «Mundaun» schliesslich auf den Markt und stürmte gleich die Charts. Zahlreiche renommierte Game-Portale und internationale Zeitungen wie beispielsweise die «Washington Post» berichteten über das Schweizer Videospiel und lobten dieses in den höchsten Tönen. Ähnlich sah es auf Twitter aus – auch die Game-Community war voll des Lobes:

Das Game wurde gleich zu Beginn auf sämtlichen Konsolen wie PlayStation, Xbox und Computer veröffentlicht. Dies sei sehr aussergewöhnlich für ein Schweizer Spiel, welches auch noch alleine entwickelt wurde, sagt Philomena Schwab. Die Zürcher Game-Entwicklerin und Vizepräsidentin der Swiss Game Developers Association kennt Michel Ziegler persönlich. Daher hat sie «Mundaun» bereits während der Entwicklungsphase angespielt.

«Einzelentwickler werden meist kritisch beäugt»

Dass das Spiel international so gut ankommt, freut Schwab sehr. «Es ist immer mega schwierig vorauszusagen, ob ein Spiel erfolgreich wird oder nicht. Vor allem Einzelentwickler werden meist kritisch beäugt.» Michel Ziegler habe aber eindrücklich bewiesen, dass man ein Videospiel auch alleine entwickeln kann – und dies erst noch erfolgreich.

Aber wieso kommt «Mundaun» in der internationalen Gamer-Szene so gut an? Ist es der Schauplatz oder sind es die bleistiftgezeichneten Figuren und Landschaften? Philomena Schwab sieht mehrere Gründe: «Es gibt tatsächlich noch nicht viele Games, die in der Schweiz spielen. Aber ich glaube nicht, dass dies der ausschlaggebende Punkt war.»

Die Kapelle im Bündner Mundaun (links) und die Kapelle im Videospiel.

© zVg

Horror-Games erzielen Reichweite

Viel wichtiger sei das Genre: «Horror-Games haben oft gute Chancen auf Erfolg, weil sie vor allem bei YouTubern und Streamern sehr beliebt sind und daher schnell eine gewisse Reichweite erzielen.» Zum Erfolg beigetragen habe aber sicherlich auch die Machart. «Das Spiel ist sehr authentisch. Man spürt, dass der Autor die Schauplätze sehr gut kennt und eine spezielle Beziehung zum Ort hat.»

Dass die Grafik verglichen mit den grossen Spielen wie etwa «Red Dead Redemption» oder «Grand Theft Auto» etwas gar simpel daherkommt, ist laut Philomena Schwab vom Game-Studio Stray Fawn kein Nachteil. «Grafik ist nicht alles für Gamer.» Für Einzelentwickler sei es meistens die bessere Entscheidung, bei der Grafik nicht mit den grossen Studios mithalten zu wollen. Denn diese beschäftigen oft riesige Teams mit 100 Leuten oder mehr.

(scd)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 2. Mai 2021 17:59
aktualisiert: 3. Mai 2021 07:26