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80-Franken-Karte

Laax lanciert Rettungsaktion für den Vorab-Gletscher

Krisztina Scherrer, 18. Januar 2021, 15:08 Uhr
Der Klimawandel schreitet voran. Genau darauf will die Ferienregion Laax aufmerksam machen und lanciert eine Rettungsaktion für den Hausgletscher Vorab. Wer mitmacht, hilft bei der Verzögerung der Gletscher-Schmelze.

3. April 2056. Das ist der letztmögliche Skitag auf dem Vorab-Gletscher. Dieser Tag soll aber nicht eintreffen, oder zumindest nicht so bald. Die Ferienregion Laax will den «Todestag» des Gletschers mit dem Last-Day-Pass nach hinten verschieben.

Der Last-Day-Pass ist eine Holzkarte mit integriertem Chip. Diese steht symbolisch für den letzten Skitag auf dem Vorab-Gletscher, kann nach dem Kauf aber auch als Skipass oder Saisonkarte genutzt werden. «Der Erlös aus dem Verkauf eines jeden verkauften Holzpasses ermöglicht eine zertifizierte Kompensation von 1000 Kilogramm CO2 und somit die Verschiebung des letzten Tages auf dem Gletscher um zehn Minuten nach hinten», heisst es in einer Mitteilung der Ferienregion. Ausserdem werden mit dem Erlös auch Bäume am Crap Son Gion gepflanzt. Eine Keycard kostet 80 Franken.

Und so sieht der Pass aus. 

© Laax

«Es freut uns, dass das Produkt so gut angelaufen ist»

4. April 2056. Das ist das neue Datum für den letzten Skitag auf dem Vorab-Gletscher. Denn Laax hat bereits 175 Pässe verkauft, 175 Tonnen CO2 kompensiert und somit einen Tag, fünf Stunden und 10 Minuten gewonnen (Stand: 18. Januar). «Es freut uns sehr, dass das Produkt so gut angelaufen ist», so die Medienstelle Laax. «Unser Ziel ist es, die Menschen für den Klimawandel zu sensibilisieren und darauf aufmerksam zu machen, was das für unsere lokalen Gletscher bedeutet.»

Nicht nur Laax freut sich über den Zuspruch zur Rettung des Vorab-Geltschers. «Bezüglich Klimaänderung ist es für unseren Planeten fünf vor zwölf oder später. Jeder Beitrag sollte demnach willkommen sein», sagt Daniel Farinotti, Glaziologe an der ETH Zürich und der WSL Birmensdorf.

Jahr 2056 ist beste Schätzung

Laut einer Studie lassen sich tatsächlich, pro Tonne eingespartes CO2, 16 Kilogramm Gletschereis-Schmelze vermeiden, wie Farinotti sagt. «Welche Annahmen getroffen werden müssten, um eine Umrechnung auf den Vorab-Gletscher vor zu nehmen, ist mir auf Anhieb aber nicht klar.» Der Versuch von Laax, die Sache mit einem Enddatum greifbarer zu machen, sei aber lobenswert. Trotzdem hält er es für unmöglich, das Verschwinden eines Gletschers auf den Tag genau vorauszusagen. «Das Jahr 2056 dürfte so etwas wie eine beste Schätzung sein, welche ohne Unsicherheiten angegeben wird.»

Wer keinen Holzpass kaufen will, die Aktion von Laax aber gut findet, kann auch im privaten Bereich etwas gegen den Klimawandel unternehmen. «Im Kern geht es darum, unsere Treibhausgas-Emissionen langfristig und nachhaltig zu reduzieren», so Farinotti. Dies erreichen wir, wenn wir statt das Auto das Velo nehmen und auf Flugreisen verzichten. Aber auch, wenn wir unsere Energieträger, zum Beispiel Solarstrom statt Erdöl, bewusst wählen und bei der Ernährung mehr auf lokale Produkte und weniger Fleischkost achten. Auch den Einfluss, welche Werte wir unseren Kindern und Enkel mitgeben könne helfen, spielen eine Rolle, so Farinotti: «Wenn wir vermitteln, dass eine gesunde Natur um einiges mehr wert ist als ein Auto oder ein Badeurlaub auf den Malediven, dann haben wir eine Chance.»

Wer einen Last-Day-Pass will, findet hier weitere Informationen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. Januar 2021 18:38
aktualisiert: 18. Januar 2021 15:08