Bündner Spezialitäten

Mit Nanis Rezepten durch das Jahr gekocht

Dario Brazerol, 8. Oktober 2020, 05:22 Uhr
Lea Hürlimann hat ihrem Nani Elsi einen Traum erfüllt. Ihr Leben lang kocht die Felsbergerin leidenschaftlich gerne. Nun werden ihre Rezepte von Bündner Spezialitäten in einem Kochbuch verewigt.

Wenn Grossmutter kocht, schmeckt's am besten. Über die Jahre perfektioniert und auf dem Teller zur Vollendung gebracht. Deftige Hackbraten, würzige Capuns oder eine sämige Gerstensuppe dürfen bei einem grosselterlichen Besuch nicht fehlen und rufen auch im Erwachsenenalter noch Kindheitserinnerungen hervor.

So erging es auch der Studentin Lea Hürlimann. Die gebürtige Zugerin zog für ihr Studium nach Chur, ganz in die Nähe ihrer in Felsberg lebenden Grossmutter Elsi Ragaz-Hemmi. «In dieser Zeit habe ich oft beim Nani Zmittag gegessen. Irgendwann hat sie mir erzählt, dass es ihr Traum wäre, wenn ihre Rezepte in einem Kochbuch festgehalten werden.»

80 Rezepte in einem Jahr

Diesen Traum wollte die Studentin ihrem Nani erfüllen. Gemeinsam mit ihrer Studienkollegin Katharina Wirth besuchte sie ihre Grossmutter jede Woche, um gemeinsam zu kochen und die Rezepte festzuhalten – und dies über ein ganzes Jahr. «Wir haben rund 80 Rezepte zusammen gekocht. Dabei waren vor allem Bündner Klassiker aber auch Landfrauenküche», sagt Lea Hürlimann.

Elsi Ragaz-Hemmi führte über 30 Jahre gemeinsam mit ihrem Ehemann einen Bauernhof in Domat/Ems. Seit rund 25 Jahren lebt sie nun in Felsberg und besitzt einen grossen Garten, wo sie immer noch selber Gemüse und Früchte anpflanzt. Das kulinarische Wissen, welches sich in all den Jahren angesammelt hat, gab Elsi nun an ihre Enkelin weiter.

Nanis Rezept für Bündner Capuns

© Lea Hürlimann

Hier gibt es noch zwei weitere Rezepte zum Nachkochen.

Bieschtkuchen aus Milch von Kalberkühen

Neben den altbekannten Bündner Klassikern sind auch einige heimische Exoten unter den Rezepten. «Nanis Lieblingsrezept ist der Bieschtkuchen. Dieser beinhaltet die Milch von Kalberkühen, welche in den ersten paar Tagen nach dem Kalbern dickflüssiger und etwas blutig ist. Das zuzubereiten war schon speziell», sagt Lea Hürlimann.

Von den gemeinsamen Koch-Sessions haben die beiden Studentinnen aber auch persönlich profitiert: «Wir konnten mega von dem Austausch profitieren. Mein Nani hat so eine inspirierende Persönlichkeit und ich konnte sie auf eine ganz andere Art kennenlernen», sagt Hürlimann.

Buch kann in der Schweiz produziert werden

Die rund 80 Rezepte sollen nun auch der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Via Crowdfunding haben die Studentinnen Geld für die Produktion eines Kochbuches gesammelt. Die dafür nötigen 50'000 Franken sind mittlerweile gesammelt und das Buch kann in der Schweiz produziert werden.

«Mein Nani hat sich sehr gefreut, als sie erfahren hat, dass ihr Traum nun wahr wird», sagt die stolze Enkelin. Doch damit noch nicht genug: «Mit Nanis Wissen liesse sich locker ein zweites Buch füllen.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 8. Oktober 2020 05:22
aktualisiert: 8. Oktober 2020 05:22