Napa ist rundum erneuert

Laurien Gschwend, 11. September 2018, 15:59 Uhr
Napa, der bislang einzige Bewohner des Aroser Bärenlandes, wurde am Dienstag an den Zähnen operiert und kastriert. Laut Tierarzt Wolfgang Zenker ist er wohlauf und tapst wieder in seinem Gehege herum.

Schon vor einigen Tagen kündigte Arosa Tourismus an, dass der Bär am Dienstag an den Zähnen operiert werde und der Park deshalb geschlossen bleibe. Was wahrscheinlich auch Napa nicht geahnt hatte: Ein Team von drei Tierärzten und drei Assistentinnen nahm auch gleich die Kastration vor und machte einen medizinischen Check.

Schlechte Zähne wegen Haltung in Käfig

«Wir haben Napa kastriert, weil in Arosa keine Bärenzucht entstehen soll», sagt Tierarzt Wolfgang Zenker, Napas Betreuer und Leiter einer Tierarztpraxis in Uster. «Zudem wussten wir schon eine Weile, dass der Bär extrem schlechte Eckzähne hat.» Der zwölfjährige Napa ist einer der letzten Zirkusbären Serbiens – die schlechten Zähne sind auf sein Leben in einem winzigen Käfig zurückzuführen. Er wurde mangelhaft ernährt und die Zähne durch das Beissen an den Gitterstäben abgenutzt.

Kein Zahnersatz

Wegen entzündlicher Stellen in den Zahnhöhlen und fortgeschrittener Parodontose (Entzündung des Zahnbetts) musste Napa die unteren Eckzähne und weitere fünf Zähne lassen. Anders als bei Menschen und manchen Haustieren werden diese jedoch nicht ersetzt. Im Fall einer Prothese wären laut Tierarzt Zenker diverse Nachbehandlungen mit Narkosen nötig. «Das ist nicht sinnvoll.» Zudem hätten Bären einen harten Gaumen und würden die Eckzähne ohnehin nicht unbedingt benötigen, um Nahrung zu zerkleinern.

Immerhin konnte Braunbär-Eisbär-Mischling Napa während des Eingriffs in seiner gewohnten Umgebung bleiben. Das Tierarzt-Team versammelte sich in seinem Stall, wie Zenker erklärt. «Wir brauchten ja nur einen Tisch. Alles andere – Sauerstoff und Beleuchtung – haben wir mitgebracht.»

Bären sind hart im Nehmen

«Die OP ist wunderbar verlaufen», freut sich Zenker. Ein solcher Eingriff sei eine lange Sache, inklusive der Narkoseüberwachung habe er zwei Stunden gedauert – «eine grosse Belastung für den Bären». Der 350 Kilogramm schwere Napa habe sich aber schnell erholt. «Er ist auf allen Vieren im Gehege unterwegs. Wildtiere zeigen oft eine enorme Härte. Man merkt ihnen meist schon nach einem halben Tag nichts mehr von der OP an», erklärt der Mediziner.

Untersuchungen während des Eingriffs haben gezeigt, dass Napas innere Organe während seiner Zeit als Zirkusbär nicht geschädigt wurden. Neben Napa werden in nächster Zeit vier weitere Bären aus Serbien nach Arosa gebracht. Wie Napas Umzug Anfang Juli in sein neues Bündner Zuhause verlaufen ist, kannst du hier nachlesen.

Laurien Gschwend
veröffentlicht: 11. September 2018 15:22
aktualisiert: 11. September 2018 15:59