Veranstaltungsverbot

«Nicht cool, dass Churer wieder die Härtesten sein müssen»

Géraldine Bohne, 4. März 2020, 05:31 Uhr
Das Selig Chur ist von dem Veranstaltungsverbot ausgeschlossen.
© Facebook/Selig Chur
Ein Churer Clubinhaber wird auf Facebook angefeindet, weil er trotz Coronavirus-Veranstaltungsverbot Partys organisieren darf. Er findet, dass der Bund das Verbot nicht klar geregelt habe und versteht nicht, wieso die Stadt Chur so hart durchgreift.

In Chur wurden Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen wegen des Coronavirus verboten, nicht aber Gastro-Events. Das sorgt bei vielen für Verwirrung, wie Roni Szepanski vom Selig Club erfahren musste. Am vergangenen Wochenende wurde in seinem Churer Partylokal wie gewohnt gefeiert, am Sonntag teilte er die Partyfotos auf Facebook. Die Reaktionen auf die Fotos waren aber keineswegs nur positiv.

Gastronomie von Verbot ausgeschlossen

«Viele konnten nicht verstehen, wieso ich aufmachen darf, während ein viel kleineres Laientheater geschlossen bleiben muss», sagt Szepanski und verweist auf ein Communiqué der Stadt Chur. Dort steht geschrieben, dass normale Geschäftstätigkeit in der Gastronomie vom Verbot ausgeschlossen ist. «Ich muss mich rechtfertigen, nur weil es der Bund nicht hinkriegt, eine einheitliche Regelung zu schaffen.»

Eine Person fragte Szepanski unter dem Facebook-Post sinngemäss, ob er mit der Öffnung des Clubs denn alle umbringen wolle. Der Kommentar wurde aber mittlerweile wieder gelöscht. «Ich finde es schlimm, dass gewisse Personen so stark am Thema vorbeischiessen», sagt der Clubinhaber. Gewisse Personen hätten ihn auch bereits gefragt, ob er Personen aus Italien noch hineinlasse. «So kann es zu Diskriminierungen kommen.» 

300 bis 400 Personen im Club

Der Bund habe bei der Regelung nicht alles durchdacht. Dass Einzelentscheide von Kantonen gefällt werden dürfen, sei schwierig. Den Entscheid der Stadt, alle Veranstaltungen ab 50 Personen zu verbieten, versteht Roni Szepanski nicht. «Ich finde es nicht cool, dass die Churer die Härtesten der Schweiz sein müssen. Viele lokale Veranstalter leiden darunter.» Er habe Glück mit der Ausnahmeregelung für die Gastronomie, denn im Selig hätten 300 bis 400 Personen Platz und der «normale» Ausgang sei so in Chur weiterhin möglich.

«Das Verbot soll vereinheitlicht werden»

Für Laien sei es aber schwierig, solche Sonderregelungen zu verstehen. «Das Verbot soll vereinheitlicht werden, auch wenn es dann auch mich treffen würde», sagt der Clubinhaber. Er müsse sich nun nämlich ständig rechtfertigen. «Am liebsten hätte ich natürlich, wenn alles normal wäre und es kein Virus gäbe.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 4. März 2020 05:32
aktualisiert: 4. März 2020 05:31