Kalb getötet

Nicht nur der Wolf, auch der Gänsegeier geht in Graubünden um

13. September 2022, 09:44 Uhr
Nach einem Angriff auf ein neugeborenes Kalb, welches folglich eingeschläfert werden musste, fordert der Bündner Bauernverband Massnahmen. Auch, weil die Bestände der Aasfresser zunehmen.
Ein Gänsegeier griff vor Kurzem ein neugeborenes Kalb an.
© Win Schumacher / Tagblatt

Für einmal ist es nicht der Wolf, der in Graubünden Ängste bedient und die Rufe nach Abschüssen lauter werden lässt. Es ist ein Vogel, von dem vielen nicht einmal wissen, dass es ihn in der Schweiz gibt – trotz seiner beachtlichen Grösse. Der Gänsegeier erreicht eine Flügelspannweite von rund 2,50 Metern.

Auch seine Zuordnung zu den «Grossen Altweltgeiern» ist geeignet, die Fantasie anzuregen. Auch wenn das ein wenig nach Tolkien klingt, die Geier sind echt. Genauso wie ihr Angriff auf ein neugeborenes Kalb, letzte Woche auf einer Alp im Lugnez. Das Kalb wurde dabei schwer verletzt und musste eingeschläfert werden, berichtet das Regionaljournal Ostschweiz.

Politischer Vorstoss des Bauernverbands

Es handelt sich dabei um den einzigen bekannten Angriff eines Gänsegeiers in diesem Jahr. Dennoch erfolgt sogleich ein Vorstoss aus den Reihen der SVP und des Bauernverbands im Bündner Parlament.

Der Vogel breite sich aus, was zu Problemen für die Alpwirtschaft führe. Sie stellen mehrere Fragen an die Regierung: Ob es möglich sei, die Aasfresser zu schiessen, was die Regierung gegen die Ausbreitung der Spezies Unternimmt und was die Ausbreitung für andere Vögel für Folgen hat.

Situation im Auge behalten

«Die Anfrage der SVP und des Bauernverbands wird momentan bearbeitet», so Adrian Arquint, Amtsleiter des Amtes für Jagd und Fischerei Graubünden, gegenüber FM1Today. Ende September soll dann Klarheit herrschen. Was aber jetzt schon feststeht: Das Amt für Jagd und Fischerei will die Bevölkerung sensibilisieren und die Beobachtungen der Gänsegeier verstärken.

Im gesamten Kanton Graubünden sind 70 bis 90 Geier anwesend. Weil die Geier spezialisierte Aasfresser sind, würden sie erst zum Problem werden, wenn sie sich auf das Jagen von lebenden Nutztieren spezialisieren würden. «Dies ist aber eher unwahrscheinlich», so Arquint. Sollten sich einige Geier aber wider Erwarten auf Nutztiere spezialisieren, ist für Adrian Arquint klar, dass ein Abschuss die letzte Lösung ist: «Diese fehlgeleiteten Tiere müssten entnommen werden.»

(thc/abl/les)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 14. September 2022 07:30
aktualisiert: 14. September 2022 07:30
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