Chur

Panne: Armee schickt drei Corona-Infizierte in den Urlaub

Géraldine Bohne, 3. August 2020, 17:23 Uhr
In der Kaserne in Chur ist es zu mindestens 14 Ansteckungen mit dem Coronavirus gekommen. (Symbolbild)
© KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER
In der Kaserne in Chur sind vor dem Wochenende elf Rekruten positiv auf das Coronavirus getestet worden. Trotzdem durften 600 Armeeangehörige nach Hause. Jetzt kommt aus: Mindestens drei von ihnen waren auch infiziert.

Während des Lockdowns im Frühling mussten Rekruten und Soldaten teils wochenlang wegen eines positiven Testergebnisses eines Kameraden in den Kasernen ausharren. Mittlerweile scheint die Armee ihre Corona-Massnahmen massiv gelockert zu haben: Vier Rekruten der Kaserne Chur haben innerhalb einer Woche mehrere Armeeangehörige mit dem Coronavirus angesteckt. Trotzdem durften am Wochenende rund 600 Personen nach Hause fahren.

Mit negativem Coronatest in Wochenendurlaub

Die vier Rekruten hatten das Virus letzte Woche aus dem Wochenendurlaub in die Kaserne mitgeschleppt, so die Armee. Sieben weitere Rekruten im selben Armee-Zug wurden angesteckt. Die elf Infizierten und zwölf weitere Rekruten des selben Zuges mussten daraufhin in Isolation respektive Quarantäne. Die restlichen rund 600 Armeeangehörigen der Kaserne Chur wurden vor dem Wochenende einem Coronatest unterzogen, der - zuerst - bei allen negativ ausfiel. Sie durften daraufhin über das Wochenende in den Urlaub.

Panne bei Coronatests

Jetzt kommt aus: Wegen einer Panne bei den Coronatests sind drei Personen mit einer Infizierung nach Hause gereist. «Bei drei Tests hat das Labor einige Stunden später den Befund gewechselt», sagt Daniel Reist, Mediensprecher der Armee. Wie dieser Fehler passieren konnte, lässt er unbeantwortet.

Trotz weiterer positiver Testergebnisse keine weiteren Quarantäne-Verordnungen

Die drei positiv Getesteten wurden von der Armee kontaktiert und müssen sich Zuhause isolieren. Sie gehörten «höchst wahrscheinlich» nicht zum Zug mit den elf Infizierten, wie Daniel Reist sagt. Trotz der zusätzlichen Coronafälle wurden keine weiteren Armeeangehörigen in Quarantäne geschickt. Der Alltag in der Kaserne ging am Montag wie gewohnt weiter. «Die Quarantänemassnahmen der drei Betroffenen sind Sache der Kantone», so Reist.

Stellt sich die Frage: Wieso schickt die Armee 600 Angehörige nach einem Corona-Ausbruch in den Urlaub? Damit wird das Virus potentiell in die ganze Schweiz getragen. Die Armee beteuert gegenüber FM1Today, dass man sich an die Weisungen des BAG halte und nach Standartmassnahmen vorgehe. «Wir können die Rekruten nicht 18 Wochen bei uns behalten», sagt Mediensprecher Reist.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 3. August 2020 17:23
aktualisiert: 3. August 2020 17:23