Prättigauerin näht Decken für Flüchtlinge

Laurien Gschwend, 3. März 2017, 05:39 Uhr
Die Prättigauerin Margrith Gujan wollte dem Leid von Flüchtlingen nicht mehr tatenlos zusehen. Deshalb entschloss sie sich dazu, Decken für sie zu nähen, und konnte auf die Unterstützung von 150 Frauen zählen.

Die Idee für ihr eigenes Flüchtlingsprojekt kam der in Fideris wohnhaften Margrith Gujan im Gespräch mit einem Schafbauer am Alpspektakel in Seewis. «Dieser meinte, er habe eine Menge Wolle, die er verbrennen wolle.» Später, wieder zu Hause, las sie etwas über Flüchtlinge. Quasi über Nacht kam ihr die Idee, Decken zu nähen und diese mit Schafwolle zu füllen. Ein Raum in Klosters, der einer Kollegin kostenlos zur Verfügung stand, kam dabei wie gerufen. «Ich hatte dort eine Tischplatte und eine Industrienähmaschine. Alles lief wie am Schnürchen», erzählt sie.

Sich treffen und Gutes tun

Gujan setzte sich das Ziel, 500 Decken anzufertigen. Eine grosse Menge, die man alleine kaum bewältigen kann. Also schaltete sie in verschiedenen Zeitungen Inserate. Das Ergebnis des Aufrufs: Über 150 Frauen aus dem ganzen Kanton meldeten sich, um beim Projekt mitzuwirken. Zwei Stunden benötigt man, um eine Decke fertigzustellen. «Wenn wir Frauen uns treffen, brauchen wir inklusive guter Gespräche und einer Kaffeepause drei Stunden», sagt Margrith Gujan und lacht.

Grosse Freude an Decken

300 Decken konnte die Prättigauerin in der Zwischenzeit nach Italien und Griechenland liefern. Ein Flüchtlingszentrum in Mailand hat sie auch selber schon besucht. «Als ich die Decken gebracht habe, hatten alle grosse Freude.» Es sei schön gewesen, den Flüchtlingen beim Ausladen der Decken zuzusehen. «Sie sind sehr respektvoll damit umgegangen.»

Margrith Gujan hat aus dem Umfeld viel Hilfsbereitschaft erfahren. «Mein Mann hat im Rheintal Stoff abgeholt, der nicht pünktlich geliefert wurde. Meine Kinder haben auch alle geholfen, dazu ein Haufen Verwandte und Bekannte. Und auch Leute, die ich noch nie gesehen habe», sagt sie voller Freude. Verschiedene Firmen seien dazu bereit gewesen, Geld für das Projekt zu spenden.

Tage nach dem Nähen noch beflügelt

«Es ist einfach nur wunderbar und sehr motivierend. Durch das Nähen der Decken erhalte ich ganz viel Energie», sagt Gujan, «man muss sich an dem halten, was Gutes in der Welt passiert». Auch von Kolleginnen höre sie oft, dass sie auch Tage nach dem Nähen noch beflügelt seien. Manchmal habe sie allerdings schon gemerkt, sie müsse jetzt eine Pause einlegen, um selber nicht an den Anschlag zu gelangen.

200 Decken fehlen noch, bis die Bündnerin ihr Ziel erreicht hat. Jetzt sollen Asylbewerber aus Trimmis die Chance erhalten, selber das Nähen zu erlernen. Dazu geht Margrith Gujan im Asylzentrum vorbei. «Das kommt sicher gut», sagt sie zuversichtlich. Und nach dem Winterprojekt Decken? «Ich habe schon darüber nachgedacht, zum Beispiel Matratzenauflagen zu filzen. Die Umsetzung ist aber noch ungewiss.»

Laurien Gschwend
Quelle: amü/lag
veröffentlicht: 3. März 2017 05:39
aktualisiert: 3. März 2017 05:39