Graubünden

Restaurant-Lebensmittel für Bedürftige: «Läuft noch nicht so»

Christoph Thurnherr, 7. Dezember 2020, 17:09 Uhr
Im Kanton Graubünden hofft Tischlein deck dich auf Spenden der geschlossenen Restaurants.
© Tischlein deck dich
Aktion gegen Foodwaste: Da viele Bündner Restaurants vor der Zwangspause schon eingekauft hatten, sollen die Lebensmittel nun gespendet werden. Die Aktion kommt allerdings nur langsam auf Touren.

Die Vorratskammern prall gefüllt, die Speisesäle hingegen leer: Das ist die Situation in vielen Graubündner Restaurants, nachdem die Kantonsregierung am Freitag verkündete, die Gastrobetriebe für zwei Wochen zu schliessen.

Grund dafür sind die leicht steigenden Corona-Zahlen im Kanton. Zweifellos ein erneut harter Schlag für viele Beizer. Und weil die Ankündigung plötzlich kam, haben viele die Einkäufe für die nächste Zeit bereits erledigt.

Was passiert nun mit den Lebensmitteln? Der Gastroverband Graubünden präsentiert kurz entschlossen ein Konzept, mit welchem die notgeplagten Restaurants Menschen helfen können, die auch sonst Not leiden.

Gedeckte Tische trotz Verbot

«Wir haben die Zusammenarbeit mit der Organisation ‹Tischlein deck dich› aufgegleist, damit die verderblichen Lebensmittel gespendet werden können», sagt Marc Tischhauser, Geschäftsführer von Gastro Graubünden.

Dies bessere die Situation für die Betriebe zwar nicht, aber immerhin würden die bereits gekauften Lebensmittel so einem sinnvollen Zweck zugeführt.

Der Gastroverband engagiere sich immer wieder gegen Foodwaste und habe mit «Tischlein deck dich» einen guten Partner gefunden, der bereits über ein Netzwerk, Transportmöglichkeiten und Abgabestellen verfüge, sagt Tischhauser.

Noch freie Kapazitäten 

Allerdings sei der Rücklauf bis jetzt überschaubar. «Viele Gastrobetriebe müssen sich jetzt auch noch um andere Dinge kümmern, etwa die erneute Anmeldung von Kurzarbeit», sagt Tischhauser. Viele Restaurants würden sicher auch zuerst die eigenen Mitarbeiter bei der Essensabgabe berücksichtigen. Schliesslich gäbe es durch die Kurzarbeit Lohneinbussen.

«Es läuft noch nicht so, das kann sich diese Woche aber noch ändern», resümiert Tischhauser am ersten Tag der Essenssammlung für «Tischlein deck dich». Dies bestätigt Meral Raffl, Regionalleiterin von Tischlein deck dich für Graubünden. «Wir haben noch freie Kapazitäten für weitere Lebensmittel.» Sämtlich Spenden seien allerdings erfreulich, denn diese bekämen sie schliesslich zusätzlich zu den Üblichen der Grossverteiler.

Ebenfalls erfreulich: Laut Raffl hat die Anzahl der Bedürftigen aufgrund der Corona-Pandemie nicht spürbar zugenommen. Es werden konstant Lebensmittel für rund 1000 Personen abgegeben.

Besorgte Blicke nach Bern und Chur

Die Aussichten für die Graubündner Gastrobetriebe sind laut Tischhauser düster. «Wenn die Betriebe wieder öffnen dürfen, wird es nicht direkt wieder wie davor sein», sagt der Geschäftsführer von Gastro Graubünden. Die Erfahrung habe gezeigt, dass jede Massnahme eine «Delle» hinterliesse und die Gäste nur verzögert wieder einkehren.

Die vielerorts anstehenden Verschärfungen beobachtet Tischhauser mit Argwohn. Weitere Massnahmen hält er für unverständlich, schliesslich gäbe es Schutzkonzepte - und diese seien sehr gut. Nur bei der Umsetzung hapere es manchmal. «Hier ist der Kanton gefordert, Kontrollen zu machen und Betriebe zu sanktionieren, die sich nicht daran halten», sagt er.

Solidarität ungebrochen

Der Kanton Graubünden ist divers, was die gastronomische Verteilung angeht. Es gibt durchaus Betriebe, die einen hervorragenden Sommer mit 30 Prozent mehr Umsatz hatten. Begünstigt durch daheimgebliebene Schweizer, die es im Sommer in die Berge zog.

Härter trifft es Betriebe, deren Sommer auch schon unterdurchschnittlich war. Laut Tischhauser zum Beispiel Betriebe im Raum Chur. Doch es gibt Lichtblicke im Corona-Winter: Der Verkauf der Gastro-Gutscheine im Kanton Graubünden läuft hervorragend. «Seit die neuen Massnahmen bekannt sind, werden noch mehr Gutscheine gekauft und verschenkt», sagt Tischhauser. Man spüre eine grosse Solidarität der Gastronomie gegenüber.

Die Betriebe haben nun immerhin Gelegenheit, trotz Verbot einige Tische zu decken.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 8. Dezember 2020 08:45
aktualisiert: 7. Dezember 2020 17:09