Stadtbibliothek Chur

Samen statt Bücher: Hier können Hobbygärtner Saatgut ausleihen

18. März 2022, 05:48 Uhr
In der Stadtbibliothek Chur gibt es seit Kurzem eine Saatgutbibliothek, wo Hobbygärtner statt Bücher Samen ausleihen können. Samen holen, säen, ernten und zurückbringen. Ein längerfristiger Kreislauf, der bei Pflanzenbegeisterten auf Anklang stösst.
In der Saatgutbibliothek in Chur hat es bereits etwa hundert Sorten.
© zVg

Eine Schublade voller kleiner Samentüten: In der Stadtbibliothek Chur gibt es seit Kurzem eine Saatgutbibliothek. Das Prinzip des Tauschsystems ist einfach: «Es ist ein längerfristiger Kreislauf, der im Frühling mit dem Holen und Ansäen der Samen beginnt und im Herbst mit dem Ernten und Zurückbringen endet. Das Ziel ist, dass man auch wieder Samen aus dem Garten bringt, eben wie eine Bibliothek funktioniert», sagt Julia Wäger, Leiterin der Stadtbibliothek Chur.

Auf die Idee für die Zusammenarbeit hat sie die Permakultur Regiogruppe Graubünden gebracht. Weil die Bibliothek ein öffentlicher Raum ist, kann jede Person hingehen, was ein Vorteil für ein solches Angebot ist. Die Saatgutbibliothek wurde am 14. März eingeweiht – inklusive Vortrag über das Einmaleins der Saatgutgewinnung. 

Die Einweihungsfeier der Saatgutbibliothek wurde gut besucht.
© zVg

Artenvielfalt, Nachhaltigkeit und altes Wissen

Die Philosophie dahinter sei einerseits, die Artenvielfalt zu fördern und alte Sorten zu retten, aber auch nachhaltiger zu leben. «Andererseits kann auch viel altes Wissen wieder aufgefrischt werden. Die Hobbygärtner können sich über Anpflanzmethoden austauschen und ihr eigenes Wissen weitergeben. Jedes Jahr können eigene Samen gebracht und Erfahrungen geteilt werden», sagt Wäger.

Der Grundstock der Samen hat die Permakultur Regiogruppe Graubünden bereitgestellt. Damit beginnt der Austausch: jeder kann Samen holen und bringen. Besonders wertvoll seien alte und lokale Sorten. «Wir haben jetzt schon etwa 100 verschiedene Samen. Von Kräutern, über Tomaten bis zu verschiedenen Blumen ist alles dabei», so Wäger.

Viele Interessierte kommen in die Bibliothek

«Bis jetzt läuft es fantastisch», sagt Wäger. Durch die Saatgutbibliothek kommen ganz neue Leute in der Bibliothek, mit denen man über die Pflanzenthematik reden kann. Obwohl die Schublade nach nicht viel aussieht, das Potenzial ist riesig. «Aus einem winzigen Samen könnte ein riesiger Kürbis oder eine strahlende Sonnenblume wachsen», so Wäger. Sie freut sich, dass der Anklang für die Saatgutbibliothek so gross ist. Solange das Interesse da ist, wollen sie das Angebot bereitstellen.

(sgr)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 18. März 2022 05:48
aktualisiert: 18. März 2022 05:48
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