Graubünden

Schadet Wachs den Fischen? Grossuntersuchung geplant

18. Februar 2021, 11:53 Uhr
Der Kanton Graubünden untersucht, ob Langlaufskiwachs den Fischen schadet.
© Keystone
In den Oberengadiner Seen schwimmen immer weniger Fische. Nun will der Kanton Graubünden untersuchen, ob giftige Substanzen, welche es in Langlauf-Wachsen gibt, schuld sind.

Teilweise wurden die Fische in den Seen im Oberengadin, welche im Winter unter den Langlaufloipen schwimmen, durch giftige Langlaufwachse kontaminiert. Dies zeigte vor kurzem eine Analyse vom Kantonalen Fischereiverbandes Graubünden KFVGR und dem Kosumentenmagazin «K-Tipp». In fast jedem dritten untersuchten Fisch war Fluor enthalten.

Kostenspielige Untersuchung

«Es ist zwar keine wissenschaftliche Studie, aber ein Weckruf», sagt Radi Hofstetter, Präsident des KFVGR, auf Anfrage von FM1Today.

Nun nimmt sich der Kanton Graubünden der Problematik an. Die kantonalen Amtsstellen haben sich diese Woche getroffen und beschlossen, dass in diesem Jahr der Kanton ein eigenes Untersuchungsprogramm auf die Beine stellen wird. «Natürlich werden wir die Behörden unterstützen», sagt Hofstetter.

Man sei froh, dass der Kanton diese erste Analyse ernst nimmt und weitere Untersuchungen plant. Laut Hofstetter sei es nicht nur zeitaufwendig, sondern auch teuer: «Eine Fischprobe im Labor kostet mehrere hundert Franken». Erste Ergebnisse werden Ende Jahr erwartet.

Schädlich für Mensch?

Hinter den Untersuchungen steht nicht nur das Rätsel um den kleineren Fischbestand. Fraglich ist auch, ob die vergifteten Fische für die Menschen gefährlich sind. «Wir müssen herausfinden, ob das Perfluor auch im Fischfleisch enthalten ist. Wenn ja, könnte dies unter Umständen auch schädlich für den Menschen sein», sagt Hofstetter. Für den KFVGR-Präsidenten ist klar, dass dies auch dem Engadiner Image schaden würde. Denn viele Restaurants haben lokale Fische auf dem Speiseplan.

Auf Wachsverzicht appellieren

Deshalb will Radi Hofstetter zusammen mit seinen Fischerkollegen die Langläuferinnen und Langläufer motivieren, freiwillig auf Wachse mit giftigen Chemikalien zu verzichten. «Bis ein Verbot kommt, geht es länger, als wenn die Sportler sofort auf die Wachse verzichten.» Wo naturfreundlich draufstehe, sei nicht unbedingt viel Naturfreundliches drin.

(lae)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. Februar 2021 06:58
aktualisiert: 18. Februar 2021 11:53