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Ostschweiz

Sexuelle oder häusliche Gewalt: So viele Beratungen wie noch nie

9. November 2021, 18:37 Uhr
In den Kantonen Graubünden, St.Gallen und den beiden Appenzell haben sich noch nie so viele Personen an die Opferhilfe gewendet, wie im vergangenen Jahr. In den Beratungsgesprächen gehe es hauptsächlich um die Themen sexuelle und häusliche Gewalt. Ob die Corona-Pandemie für die Zunahme der Fälle verantwortlich ist, bleibt unklar.
Die Zahl der neuen Beratungsgespräche bei den Opferhilfen in der Ostschweiz haben im vergangenen Jahr zugenommen. (Symbolbild)
© Getty Images

358 Mal klingelte im vergangenen Jahr bei der Opferhilfe Graubünden das Telefon – in der Leitung waren Menschen, die zum ersten Mal ein Gespräch mit der Opferhilfe suchten. So viele neue Anmeldungen gab es bei der Opferhilfe Graubünden noch nie. Auch die Opferhilfe von St.Gallen und den beiden Appenzell meldet mit 1191 Situationen einen Höchststand an Neuberatungen.

19 Personen waren akut bedroht

In Graubünden gab es inklusive der Beratungen, welche bereits im Vorjahr angefangen hatten, 714 Fälle. Gemäss Beratungsstelle ging es in 22 Fällen um fürsorgerische Zwangsmassnahmen, bei den übrigen 692 Fällen handelte es sich um Opfer von Gewalt. Bei den Gewaltopfern haben gemäss Opferhilfe Graubünden 45 Prozent eine Tätlichkeit oder Körperverletzung erlebt, 30 Prozent wurden erpresst, bedroht oder genötigt und 10 Prozent der Beratenen erlitten Verletzungen im Strassenverkehr. In 19 Fällen seien die Opfer akut bedroht gewesen und es musste eine Schutzunterkunft vermittelt werden.

Im Kanton St.Gallen macht die Opferhilfe ähnliche Erfahrungen wie Graubünden. Auch dort wurden am meisten Personen aufgrund häuslicher oder sexueller Gewalt beraten. In Bezug auf häusliche Gewalt waren es im Jahr 2020 573 Neuberatungen, das sind rund 70 mehr als im Vorjahr. In Bezug auf die sexuelle Gewalt hat die Zahl der Beratungen im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls zugenommen. 188 Personen waren von sexueller Gewalt betroffen.

Gründe für Zunahme sind unklar

Ob dabei die Corona-Pandemie eine Rolle spielt, wagen die beiden Beratungsstellen nicht zu sagen. «Wir sehen einfach, dass die Zahlen höher sind», sagt Brigitte Huber, Geschäftsleiterin der Opferhilfe St.Gallen und beider Appenzell. Woran das liege, könne sie nicht beurteilen.

«Über die Gründe dieser Tendenz müsste spekuliert werde», sagt auch Susanna Gadient, Amtsleiterin des kantonalen Sozialamts Graubünden auf Anfrage. «Es ist möglich, dass durch die verstärkte Sensibilisierungsarbeit, Opfer schneller Unterstützung suchen.»

(abl)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 9. November 2021 18:36
aktualisiert: 9. November 2021 18:37